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Gesundes und hochwertiges Katzenfutter: Woran Sie gutes Futter erkennen

Was braucht eine Katze wirklich im Napf? So lesen Sie das Etikett, verstehen Rohasche und Trockenmasse und finden gesundes Katzenfutter ohne Werbefloskeln.

Von der Redaktion heiltierarzt.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Grüner Doppelnapf auf einem Holzboden, links mit Trockenfutter, rechts mit rohen Fleischwürfeln, Möhrenscheiben und Zucchini

Im Handel stehen Hunderte Katzenfutter nebeneinander, und fast jede Packung verspricht „Premium“, „natürlich“ oder „artgerecht“. Gesetzlich geschützt sind diese Begriffe nicht. Was ein Futter wirklich taugt, verrät erst ein Blick auf das Etikett – wenn man weiß, wie man es liest.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was eine Katze ernährungsphysiologisch braucht, welche Angaben auf der Packung wichtig sind und welche verbreiteten Faustregeln in die Irre führen. Marken nennen wir bewusst nicht: Ein gutes Futter erkennen Sie an seinen Eigenschaften, nicht am Namen.

Die Katze ist ein reiner Fleischfresser

Katzen sind sogenannte obligate Karnivoren. Ihr Stoffwechsel ist darauf eingestellt, Nährstoffe in der Form aufzunehmen, in der sie in Beutetieren vorkommen. Einige davon kann die Katze – anders als Hund oder Mensch – nicht oder nicht ausreichend selbst herstellen. Das Merck Veterinary Manual nennt vor allem:

  • Taurin: Ein Mangel kann zu einer Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie) und zu Netzhautschäden bis zur Erblindung führen. Taurin kommt praktisch nur in tierischen Zutaten vor oder wird zugesetzt.
  • Arginin: Katzen haben einen hohen Bedarf an dieser Aminosäure und können sie kaum selbst bilden.
  • Vitamin A: Katzen können Vitamin A nicht aus Beta-Carotin (etwa aus Möhren) gewinnen, sondern brauchen es in fertiger Form.
  • Arachidonsäure: Diese Fettsäure müssen Katzen mit dem Futter aufnehmen.
  • Niacin und Vitamin B6 benötigen Katzen in höheren Mengen als viele andere Tiere.

Daraus folgt: Tierische Zutaten sind für die Katze unverzichtbar, und vegane oder selbst gemischte Rationen ohne fachliche Berechnung sind für sie besonders riskant. Eine gut zusammengestellte Fertignahrung stellt diese Nährstoffe sicher.

Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?

Die wichtigste Angabe auf der Packung ist leicht zu übersehen: die Art des Futtermittels. Das EU-Futtermittelrecht (Verordnung (EG) Nr. 767/2009) unterscheidet:

  • Alleinfuttermittel: reicht aufgrund seiner Zusammensetzung allein für die tägliche Ration aus.
  • Ergänzungsfuttermittel: reicht nur zusammen mit anderen Futtermitteln aus. Dazu zählen Snacks, viele „Filets in Brühe“ und manche Feinkost-Dosen.

Als Hauptmahlzeit sollte Ihre Katze ein Alleinfuttermittel bekommen. Füttern Sie über längere Zeit überwiegend Ergänzungsfutter, drohen Mängel – auch wenn die Zutatenliste noch so hochwertig klingt.

Hersteller in der EU orientieren sich bei der Zusammensetzung an den Fütterungsleitlinien des europäischen Heimtierfutterverbands FEDIAF, die regelmäßig aktualisiert werden (zuletzt 2025). Dort sind Mindest- und teils Höchstwerte für alle wichtigen Nährstoffe festgelegt.

Das Etikett richtig lesen

Zusammensetzung: offene und geschlossene Deklaration

Unter der Überschrift „Zusammensetzung“ stehen die Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewicht. Hier gibt es zwei erlaubte Formen:

  • Offene Deklaration: Jede Zutat wird einzeln benannt, etwa „Hühnerherzen, Rinderleber, Lachs“, oft mit Prozentangaben.
  • Geschlossene Deklaration: Zutaten werden in Kategorien zusammengefasst, zum Beispiel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „Getreide“. Welche Tierteile genau enthalten sind, bleibt offen.

Eine geschlossene Deklaration ist nicht automatisch ein Zeichen für schlechte Qualität, und „tierische Nebenerzeugnisse“ umfassen auch wertvolle Innereien wie Herz, Leber oder Lunge. Die offene Deklaration ist aber transparenter und erleichtert es Ihnen, einzelne Zutaten zu meiden – etwa bei einer Futtermittelallergie.

Was Angaben wie „mit Huhn“ bedeuten

Der Kennzeichnungskodex der Branche (FEDIAF) legt fest, was Namen und Werbeaussagen mindestens bedeuten:

Bezeichnung auf der Packung Mindestanteil der genannten Zutat
„aromatisiert mit Huhn“ mehr als 0 %, aber unter 4 %
„mit Huhn“ mindestens 4 %
„reich an Huhn“, „extra Huhn“ mindestens 14 %
„Huhn“ bzw. „Huhn-Menü“ im Namen mindestens 26 %

Ein „Katzenfutter mit Lachs“ kann also überwiegend aus anderen Zutaten bestehen.

Analytische Bestandteile

Bei Allein- und Ergänzungsfutter für Katzen müssen Rohprotein, Rohfett (Fettgehalt), Rohfaser und Rohasche angegeben werden. Die Feuchtigkeit ist anzugeben, wenn sie 14 % übersteigt – also bei jedem Nassfutter.

„Roh“ bedeutet hier nicht „ungekocht“, sondern bezieht sich auf die standardisierte Laboranalyse. Rohprotein etwa ist der aus dem Stickstoffgehalt berechnete Eiweißanteil; über die Qualität des Eiweißes sagt der Wert nichts.

Rohasche: kein Schadstoff, sondern Mineralstoffe

Um kaum einen Wert ranken sich so viele Irrtümer. Rohasche ist das, was übrig bleibt, wenn eine Futterprobe im Labor vollständig verbrannt wird: Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium und Spurenelemente. Sie ist also kein Zusatz und keine Verunreinigung, sondern ein Maß für den gesamten Mineralstoffgehalt – und Mineralstoffe braucht jede Katze.

Pauschale Grenzwerte wie „Rohasche über 2 % ist schlecht“ sind nicht haltbar. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, solange der Wassergehalt nicht berücksichtigt wird (siehe unten). Ein hoher Rohaschegehalt in der Trockenmasse kann auf viele Knochen im Futter hindeuten, sagt aber allein nichts über die Qualität. Entscheidend ist, ob die einzelnen Mineralstoffe – etwa Calcium und Phosphor – im richtigen Verhältnis und in passender Menge enthalten sind. Die FEDIAF-Leitlinien sehen bei erwachsenen Katzen ein Calcium-Phosphor-Verhältnis zwischen 1 : 1 und 2 : 1 vor. Für Katzen mit Nieren- oder Harnwegserkrankungen gelten eigene Vorgaben, die Ihre Tierarztpraxis festlegt.

Trockenmasse: So vergleichen Sie Nass- und Trockenfutter

Nassfutter besteht zu einem großen Teil aus Wasser – laut Kennzeichnungskodex gilt ein Futter ab 60 % Feuchtigkeit als Nassfutter, Trockenfutter hat höchstens 14 %. Die Prozentangaben auf der Dose wirken deshalb viel niedriger als auf dem Trockenfuttersack, obwohl das nicht stimmt. Fair vergleichen lassen sie sich erst, wenn man das Wasser herausrechnet:

Nährstoff in der Trockenmasse (%) = Angabe (%) ÷ (100 − Feuchtigkeit) × 100

Ein Rechenbeispiel:

Nassfutter Trockenfutter
Feuchtigkeit laut Etikett 80 % 8 %
Rohprotein laut Etikett 10 % 32 %
Trockenmasse 20 % 92 %
Rohprotein in der Trockenmasse 50 % rund 35 %

Das Nassfutter mit „nur 10 % Protein“ ist in diesem Beispiel also das eiweißreichere. Genauso rechnen Sie Fett und Rohasche um.

Kräftige graue Kurzhaarkatze steht auf einer Wiese vor einem Kratzbaum neben einem roten Napf voller Trockenfutter
Eine kräftig gebaute Katze vor einem vollen Napf Trockenfutter.

Nassfutter, Trockenfutter oder beides?

Beide Futterformen können eine Katze vollständig versorgen, wenn es sich um ein Alleinfuttermittel handelt. Einen wichtigen Unterschied gibt es trotzdem: das Wasser.

Katzen stammen von Wüstentieren ab und haben ein vergleichsweise schwaches Durstgefühl. In der Natur nehmen sie einen großen Teil ihres Wassers mit der Beute auf. Katzen, die nur Trockenfutter fressen, trinken zwar mehr, nehmen insgesamt aber meist weniger Wasser auf und bilden konzentrierteren Harn. Für Katzen mit Neigung zu Harnwegserkrankungen empfehlen Tierärzte deshalb häufig einen hohen Nassfutteranteil.

Vorteile von Nassfutter: viel Flüssigkeit, oft gut akzeptiert, geringere Energiedichte. Vorteile von Trockenfutter: lange haltbar, einfach zu portionieren, für Futterspielzeug geeignet.

Wenn Sie Trockenfutter füttern, stellen Sie mehrere Wasserstellen auf – gern entfernt vom Futterplatz und von der Toilette. Viele Katzen trinken lieber aus breiten Schalen oder aus Trinkbrunnen.

Getreide, Zucker und Zusatzstoffe

Getreide ist für Katzen kein Gift. Gekochte, aufgeschlossene Stärke aus Reis oder Getreide können Katzen in begrenztem Umfang verwerten. Als Hauptbestandteil passt sie aber nicht zu einem Fleischfresser, und ein hoher Kohlenhydratanteil erhöht die Energiedichte des Futters.

Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift BMC Veterinary Research (Mueller und Kollegen, 2016) nennt als häufigste Auslöser von Futtermittelallergien bei Katzen übrigens Rind, Fisch und Huhn – nicht Getreide. „Getreidefrei“ ist also kein Qualitätsmerkmal an sich.

Zucker, Karamell oder Farbstoffe braucht eine Katze nicht; ein Futter ohne diese Zusätze ist deshalb vorzuziehen. Zugesetzte Vitamine, Mineralstoffe und Taurin sind dagegen kein Makel, sondern sorgen dafür, dass das Futter vollständig ist.

Übergewicht: der häufigste Futterfehler

Viele Wohnungskatzen fressen mehr, als sie verbrauchen. Übergewicht belastet Gelenke, begünstigt Diabetes und verkürzt die gesunde Lebenszeit. Die Fütterungsempfehlung auf der Packung ist nur ein Startwert; entscheidend ist die Figur Ihrer Katze.

  • Rippen tasten: Bei idealem Gewicht spüren Sie die Rippen unter einer dünnen Fettschicht, ohne drücken zu müssen.
  • Von oben schauen: Eine leichte Taille hinter den Rippen sollte erkennbar sein.
  • Portionen abwiegen statt den Napf nach Gefühl aufzufüllen, und Leckerlis von der Tagesration abziehen.

Wichtig: Eine übergewichtige Katze darf nie auf Nulldiät gesetzt werden. Frisst eine Katze – besonders eine dicke – mehrere Tage zu wenig, kann sich Fett in der Leber einlagern (hepatische Lipidose). Das Merck Veterinary Manual beschreibt diese Erkrankung als die häufigste und potenziell tödliche erworbene Lebererkrankung der Katze. Abnehmen sollte deshalb langsam und unter tierärztlicher Begleitung geschehen.

Futter richtig umstellen

Katzen reagieren auf abrupte Futterwechsel oft mit Durchfall oder Futterverweigerung. Gehen Sie deshalb schrittweise vor:

  1. Mischen Sie zunächst einen kleinen Teil des neuen Futters unter das gewohnte.
  2. Erhöhen Sie den Anteil über ein bis zwei Wochen langsam.
  3. Verweigert Ihre Katze das neue Futter, erzwingen Sie nichts – bieten Sie das alte Futter wieder an und versuchen Sie es langsamer oder mit einer anderen Sorte.

Eine Katze darf während der Umstellung nicht hungern. Frisst sie länger als etwa einen Tag gar nichts, sprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis.

Und was ist mit BARF?

Auch Katzen lassen sich roh ernähren. Für sie ist eine selbst zusammengestellte Ration aber noch anspruchsvoller als für Hunde, und rohes Fleisch bringt Keimrisiken mit sich. Was Sie beachten sollten, lesen Sie ausführlich in unserem Ratgeber BARF für Hunde und Katzen.

Getigerte Katze frisst im Freien ein Stück rohes Fleisch vom Boden
Eine Katze beim Fressen von rohem Fleisch.

Das richtige Futter finden

Es gibt nicht das eine beste Katzenfutter. Ein gutes Futter ist ein Alleinfuttermittel mit tierischen Zutaten an erster Stelle, passender Energiedichte und einer Form, die Ihre Katze gern frisst und die zu ihrem Gesundheitszustand passt. Weiterführende Informationen zu hochwertigem Katzenfutter und einen Katzenfutter-Test mit Vergleich verschiedener Sorten finden Sie im Netz. Prüfen Sie bei jedem Testergebnis, nach welchen Kriterien bewertet wurde – und rechnen Sie Nährwerte selbst in die Trockenmasse um.

Wann Sie zum Tierarzt sollten

Lassen Sie Ihre Katze tierärztlich untersuchen, wenn sie

  • mehr als einen Tag nichts frisst, besonders bei Übergewicht,
  • häufig oder mit Pressen kleine Mengen Urin absetzt, Blut im Urin hat oder außerhalb der Toilette uriniert – bei Katern, die keinen Urin mehr absetzen können, ist das ein Notfall,
  • deutlich mehr trinkt als sonst,
  • wiederholt erbricht oder Durchfall hat,
  • ohne erkennbaren Grund ab- oder deutlich zunimmt.

Bei Katzen mit Nieren-, Harnwegs-, Darm- oder Stoffwechselerkrankungen legt die Tierarztpraxis die Fütterung fest; oft ist dann eine Diätnahrung nötig.

Zusammengefasst

Gesundes Katzenfutter erkennen Sie nicht an Werbeversprechen, sondern an wenigen klaren Merkmalen: Alleinfuttermittel, tierische Zutaten vorn in der Zusammensetzung, eine nachvollziehbare Deklaration und Nährwerte, die auch in der Trockenmasse stimmig sind. Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit, eine schlanke Figur und langsame Umstellungen – dann haben Sie das Wichtigste für eine gut ernährte Katze getan.

Quellen und weiterführende Informationen (5)
  1. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals
  2. FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (2025)
  3. FEDIAF/IVH: Kodex für die gute Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln (2018)
  4. Mueller, Olivry, Prélaud (2016): Common food allergen sources in dogs and cats. BMC Veterinary Research
  5. Merck Veterinary Manual: Feline Hepatic Lipidosis

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