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Was ist giftig für Katzen? Lilien, Medikamente, Öle und mehr
Lilien, Paracetamol, Floh-Spot-ons für Hunde, ätherische Öle: Was für Katzen giftig ist, woran Sie eine Vergiftung erkennen und was Sie im Ernstfall tun.

Katzen gelten als wählerische Fresser, und tatsächlich verschlingen sie seltener als Hunde alles, was herumliegt. Trotzdem sind Vergiftungen bei Katzen häufig – nur kommen sie oft auf anderen Wegen zustande: über Blütenstaub im Fell, über ein Floh-Präparat, das eigentlich für den Hund gedacht war, oder über eine Tablette, die ein besorgter Mensch gegen Schmerzen gegeben hat.
Dazu kommt, dass die Leber der Katze viele Stoffe schlechter abbauen kann als die von Hund oder Mensch. Manches, was ein Hund noch verkraftet, ist für eine Katze schon in winzigen Mengen gefährlich. Und weil Katzen sich ausgiebig putzen, landet fast alles, was an Fell und Pfoten haftet, früher oder später im Magen.
In diesem Beitrag lesen Sie, welche Gifte für Katzen besonders gefährlich sind, woran Sie eine Vergiftung erkennen und was im Ernstfall zu tun ist. Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte: Dieser Text ersetzt keine Untersuchung. Er soll Ihnen helfen, Gefahren zu vermeiden und im Notfall schnell zu handeln.
Lilien: die größte Gefahr in der Blumenvase
Echte Lilien (Gattung Lilium) und Taglilien (Hemerocallis) gehören zu den gefährlichsten Pflanzen für Katzen überhaupt. Nach Angaben der US-Arzneimittelbehörde FDA ist die gesamte Pflanze giftig: Stängel, Blätter, Blüten, Blütenstaub und sogar das Wasser in der Vase. Nach International Cat Care kann schon weniger als ein gefressenes Blatt oder etwas Blütenstaub, den die Katze sich aus dem Fell leckt, ein Nierenversagen auslösen. Auch „pollenfreie“ Züchtungen sind deshalb nicht sicher.
Betroffen sind zum Beispiel Oster-, Tiger-, Oriental- und Asiatische Lilien sowie Taglilien, die in vielen Gärten wachsen. Die ersten Anzeichen – Erbrechen, Speicheln, Appetitlosigkeit, Mattigkeit – treten laut FDA innerhalb von null bis zwölf Stunden auf. Innerhalb von ein bis drei Tagen kann sich ein Nierenversagen entwickeln. Die FDA weist darauf hin, dass die Nierenschäden meist nicht mehr umkehrbar sind, wenn die Behandlung erst 18 Stunden oder später beginnt. Warten Sie also nicht ab, ob Ihre Katze Anzeichen zeigt.
Nicht jede Pflanze mit „Lilie“ im Namen wirkt gleich:
- Einblatt (Spathiphyllum) und Calla reizen vor allem Maul und Rachen: Speicheln, Maulschmerzen, Erbrechen. Unangenehm, aber meist kein Nierenversagen.
- Maiglöckchen sind keine echten Lilien, enthalten aber herzwirksame Stoffe und können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.
Die sicherste Lösung ist einfach: Lilien gehören nicht in einen Haushalt mit Katze – auch nicht als Schnittblumen im Strauß.
Medikamente für Menschen
Paracetamol
Paracetamol ist für Katzen hochgiftig, weil ihnen ein Teil der Stoffwechselwege fehlt, mit denen Mensch und Hund den Wirkstoff abbauen. Die Tierklinik St. Pölten warnt, dass schon eine halbe Tablette eine erwachsene Katze töten kann. Nach dem MSD Veterinary Manual zeigen sich die Anzeichen oft innerhalb weniger Stunden: bräunlich-graue oder bläuliche Schleimhäute, schnelle, angestrengte Atmung, Schwäche, Erbrechen, Speicheln und eine auffällige Schwellung von Gesicht und Pfoten.
Viele dieser Vergiftungen entstehen nicht aus Versehen, sondern weil jemand der Katze helfen wollte. Geben Sie Ihrer Katze deshalb niemals ein Schmerzmittel aus Ihrer eigenen Hausapotheke.
Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure
Auch diese Schmerzmittel können bei Katzen schon in kleinen Mengen Magen-Darm-Geschwüre mit Blutungen und ein Nierenversagen auslösen. Das Gleiche gilt für viele andere Humanarzneimittel, etwa Antidepressiva oder Erkältungsmittel. Bewahren Sie Tabletten verschlossen auf und heben Sie heruntergefallene sofort auf.
Permethrin: Flohmittel für Hunde
Permethrin ist ein Insektizid, das in manchen Floh- und Zeckenmitteln für Hunde steckt, vor allem in Spot-on-Präparaten zum Auftropfen. Für Katzen ist es gefährlich, weil ihre Leber es nicht ausreichend abbauen kann. Nach International Cat Care entstehen Vergiftungen meist auf zwei Wegen:
- Ein Hundepräparat wird versehentlich oder „in kleinerer Menge“ auf die Katze gegeben.
- Die Katze kuschelt mit einem Hund, der kurz zuvor behandelt wurde, oder liegt auf seinem Schlafplatz.
Typisch sind Muskelzittern und Zuckungen, Überempfindlichkeit gegen Berührung und Geräusche, Speicheln, Gangunsicherheit und in schweren Fällen Krampfanfälle. Wird die Katze früh behandelt, sind die Aussichten gut; bei schweren Krämpfen sinken sie deutlich.
Verwenden Sie bei Katzen deshalb nur Mittel, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind, und lassen Sie sich in der Praxis beraten. Wie Sie Flöhe bei Tier und in der Wohnung sicher loswerden, lesen Sie in unserem Beitrag über Flöhe bei Hund und Katze. Leben Hund und Katze zusammen, fragen Sie vor jeder Behandlung des Hundes nach, ob das Mittel für die Katze ein Risiko ist und wie lange Sie die Tiere trennen sollten. International Cat Care rät bei permethrinhaltigen Mitteln zu 72 Stunden Abstand.
Ätherische Öle und Teebaumöl
Duftöle, Raumdüfte zum Verdampfen, Teebaumöl gegen Parasiten oder Hautprobleme: Konzentrierte ätherische Öle sind für Katzen riskant. Sie gelangen über die Haut, über das Putzen oder über die Atemluft in den Körper. Eine Auswertung von 443 Vergiftungsfällen mit konzentriertem Teebaumöl bei Hunden und Katzen (Khan und Kollegen, 2014) beschreibt vor allem Speicheln, Mattigkeit, Lähmungserscheinungen, Gangunsicherheit und Zittern – in den meisten Fällen, nachdem Halter das Öl absichtlich angewendet hatten.
Tragen Sie ätherische Öle nie auf das Fell Ihrer Katze auf, auch nicht verdünnt, und stellen Sie Duftlampen oder Diffusoren nicht in Räume, aus denen die Katze nicht ausweichen kann.
Lebensmittel, die Katzen schaden
Zwiebeln, Knoblauch und Lauch
Zwiebelgewächse schädigen die roten Blutkörperchen. Nach dem MSD Veterinary Manual sind Katzen dafür von allen Tierarten am empfindlichsten. Gefährlich sind rohe, gekochte, getrocknete und pulverisierte Zwiebeln und Knoblauch – also auch Soßen, Brühen und Fertiggerichte mit Zwiebelpulver. Die Blutarmut zeigt sich meist erst nach einigen Tagen durch Schwäche, blasse oder gelbliche Schleimhäute, schnelle Atmung und rötlichen Urin.
Schokolade und Koffein
Schokolade enthält Theobromin und Koffein, die bei Katzen ähnlich wirken wie beim Hund: Erbrechen, Unruhe, Zittern, Herzrasen, Krämpfe. Katzen fressen seltener Schokolade als Hunde, gefährlich ist sie trotzdem, vor allem dunkle Schokolade und Kakaopulver.
Weitere Beispiele
Auch Alkohol, rohes Schweinefleisch (wegen des Aujeszky-Virus) sowie Trauben und Rosinen sollten Katzen nicht bekommen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Was ist giftig für Hunde?. Was eine Katze stattdessen braucht, erklären wir im Beitrag über gesundes und hochwertiges Katzenfutter.
Frostschutzmittel
Frostschutz- und Kühlerflüssigkeit mit Ethylenglykol schmeckt süß. Katzen kommen damit etwa über Pfützen in Garagen oder Einfahrten in Kontakt oder lecken es sich von den Pfoten. Nach International Cat Care kann schon die kleinste Menge zu Nierenversagen und Tod führen. Nach dem MSD Veterinary Manual entwickelt sich das Nierenversagen bei Katzen oft schon 12 bis 24 Stunden nach der Aufnahme – schneller als beim Hund. Zunächst wirkt die Katze benommen, taumelt und erbricht. Eine Behandlung ist nur früh erfolgversprechend.
Zimmerpflanzen und Weihnachtsstern
Katzen knabbern gern an Grünem, besonders Wohnungskatzen. Viele Zimmer- und Gartenpflanzen reizen Maul und Magen, einige sind ernsthaft giftig. Dazu gehören neben den Lilien zum Beispiel Oleander, Dieffenbachie, Palmfarn (Cycas), Maiglöckchen und Blumenzwiebeln wie Tulpe, Narzisse und Hyazinthe.
Der Weihnachtsstern hat einen schlechteren Ruf, als er verdient. Die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA beschreibt ihn als reizend für Maul und Magen, manchmal mit Erbrechen, aber in seiner Giftigkeit als überschätzt. Gut ist es trotzdem nicht, wenn die Katze daran knabbert, und bei kleinen Katzen oder starken Beschwerden gehört sie in die Praxis.
Eine umfangreiche wissenschaftliche Datenbank zu Giftpflanzen bei Tieren ist CliniTox des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich. Bieten Sie Ihrer Katze als Alternative Katzengras an und stellen Sie fragliche Pflanzen außer Reichweite – bei Katzen, die springen und klettern, heißt das oft: in einen Raum, den die Katze nicht betritt.
Reinigungs- und Desinfektionsmittel
Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel, Entkalker und Rohrreiniger können Haut, Pfoten, Maul und Speiseröhre verätzen. International Cat Care weist darauf hin, dass Katzen Gifte häufig beim Putzen aus dem Fell aufnehmen. Wischen Sie verschüttete Mittel deshalb sofort auf, lassen Sie frisch gewischte Böden trocknen, bevor die Katze darüberläuft, und bewahren Sie Reiniger in geschlossenen Schränken auf. Ist Fell oder Pfote verschmutzt, verhindern Sie, dass die Katze sich putzt, und rufen Sie in der Praxis an, bevor Sie etwas abwaschen.
Woran Sie eine Vergiftung erkennen
Katzen verbergen Unwohlsein oft lange. Achten Sie besonders auf:
- Speicheln, Schaum vor dem Maul, Erbrechen, Durchfall
- Zittern, Zuckungen, Taumeln, Krampfanfälle
- auffällige Atmung, besonders Atmen mit offenem Maul
- blasse, gelbliche, bräunliche oder bläuliche Schleimhäute
- Schwellungen im Gesicht oder an den Pfoten
- Rückzug, Appetitlosigkeit, starke Mattigkeit
- auffällig viel oder kaum noch Urin
Keines dieser Zeichen beweist eine Vergiftung, und manche Gifte zeigen sich erst nach Stunden oder Tagen. Wenn Sie wissen, dass Ihre Katze mit einem der genannten Stoffe in Kontakt war, warten Sie nicht auf Anzeichen.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
- Katze vom Gift trennen. Pflanze, Verpackung oder Mittel wegnehmen. Bei Verschmutzung von Fell oder Pfoten die Katze am Putzen hindern, zum Beispiel in ein Handtuch wickeln.
- Sofort in der Tierarztpraxis oder Tierklinik anrufen. Sagen Sie, was, wie viel und wann die Katze vermutlich aufgenommen hat.
- Nichts auf eigene Faust geben. Kein Erbrechen auslösen, kein Salzwasser, keine Milch, kein Öl, keine Medikamente.
- Beweise mitnehmen. Verpackung, Beipackzettel, ein Stück der Pflanze oder ein Foto davon.
- Die Katze sicher transportieren. In einer geschlossenen Transportbox, ruhig und warm.
Einen zentralen Giftnotruf für Tiere gibt es in Deutschland nicht. Die regionalen Giftinformationszentren sind für Menschen eingerichtet; eine Übersicht bietet die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. Ihre erste Anlaufstelle ist die Tierarztpraxis oder die nächste Tierklinik mit Notdienst. Speichern Sie beide Nummern, bevor Sie sie brauchen.
Wann Sie sofort zum Tierarzt sollten
Sofort – ohne abzuwarten – wenn
- Ihre Katze an einer Lilie geknabbert, Blütenstaub im Fell oder aus der Vase getrunken haben könnte,
- sie ein Schmerzmittel für Menschen bekommen oder gefressen hat,
- ein Floh- oder Zeckenmittel für Hunde auf sie gelangt ist,
- sie mit Frostschutzmittel in Berührung gekommen sein könnte,
- sie zittert, krampft, schwer atmet oder nicht ansprechbar ist.
Auch bei unklarem Erbrechen, das sich wiederholt, bei starker Mattigkeit oder wenn Ihre Katze nicht mehr frisst, gehört sie zeitnah in die Praxis.
Ein katzensicheres Zuhause
Vieles lässt sich mit wenigen Gewohnheiten vermeiden: keine Lilien im Haus, Medikamente und Reiniger in geschlossenen Schränken, keine Duftöle auf dem Fell, Parasitenmittel nur nach Absprache mit der Praxis und immer in der Katzenversion – das gilt auch für die Wurmkur. Wer Katze und Hund hält, achtet besonders auf die Flohmittel des Hundes.
Eine Katze, die gut versorgt und beschäftigt ist, geht zudem seltener auf Entdeckungsreise in Blumentöpfen und Mülleimern. Mit einem wachen Blick für diese Gefahren schützen Sie Ihre Katze wirksam – und wissen im Ernstfall, was zu tun ist.
Quellen und weiterführende Informationen (12)
- U.S. Food and Drug Administration: Lovely Lilies and Curious Cats – A Dangerous Combination
- International Cat Care: Cats and poisons
- International Cat Care: Permethrin poisoning
- Tierklinik St. Pölten: Humanarzneimittel bei Hund und Katze
- MSD Veterinary Manual: Toxicoses From Human Analgesics in Animals
- Khan, McLean, Slater (2014): Concentrated tea tree oil toxicosis in dogs and cats: 443 cases (2002–2012). JAVMA
- MSD Veterinary Manual: Garlic and Onion (Allium spp) Toxicosis in Animals
- MSD Veterinary Manual: Chocolate Toxicosis in Animals
- MSD Veterinary Manual (Tierhalter-Ausgabe): Ethylene Glycol (Antifreeze) Poisoning
- ASPCA: Poinsettia
- CliniTox – Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Giftnotrufe in Deutschland, Europa und in der Schweiz


