Hund & KatzeGesundheit
Wurmkur bei Hund und Katze: wie oft entwurmen – und wann reicht eine Kotprobe?
Wie oft Hund und Katze entwurmt werden sollten, hängt vom Risiko ab. Wir erklären die ESCCAP-Risikogruppen, die Kotuntersuchung und den Schutz von Kindern.

Würmer gehören zu den häufigsten Parasiten bei Hund und Katze, und die meisten Tiere zeigen lange keinerlei Anzeichen. Genau das macht die Frage „Wie oft muss ich entwurmen?“ so schwierig. Die Faustregel „viermal im Jahr“ kennt fast jeder. Sie ist nicht falsch, aber sie passt nicht zu jedem Tier: Für eine reine Wohnungskatze kann sie zu viel sein, für einen Hund, der Mäuse jagt, zu wenig.
Maßgeblich für Deutschland sind die Empfehlungen von ESCCAP Deutschland, dem Fachverband von Tiermedizinern und Parasitologen. Die ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 zur Bekämpfung von Würmern ist im August 2025 in aktualisierter Fassung erschienen. Ihr Grundgedanke: nicht nach Schema F entwurmen, sondern nach dem Risiko des einzelnen Tieres.
Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Empfehlungen zu verstehen und das Gespräch in der Praxis vorzubereiten. Welches Mittel, welche Dosis und welcher Rhythmus für Ihr Tier richtig sind, legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest. ESCCAP betont selbst, dass Entwurmungen immer auf tierärztlichen Rat hin erfolgen sollten.
Warum eine Wurmkur nicht vorbeugt
Ein häufiges Missverständnis: Die Wurmkur schütze das Tier für die nächsten Monate. Das stimmt nicht. Die ESCCAP-Empfehlung stellt klar, dass Wurmmittel nur zum Zeitpunkt der Behandlung und in den unmittelbar folgenden Tagen wirken, nicht vorbeugend über einen längeren Zeitraum. Schon am Tag nach der Wurmkur kann sich ein Hund beim Schnüffeln wieder anstecken.
Entwurmen bedeutet also, in regelmäßigen Abständen „aufzuräumen“, bevor sich Würmer so weit entwickeln, dass sie Eier ausscheiden und die Umgebung verseuchen. Deshalb richtet sich die Häufigkeit danach, wie oft sich ein Tier voraussichtlich ansteckt.
Die wichtigsten Würmer bei Hund und Katze
| Wurm | Wie sich das Tier ansteckt | Warum er wichtig ist |
|---|---|---|
| Spulwürmer (Toxocara canis, Toxocara cati) | Aufnahme von Wurmeiern aus der Umgebung, Fressen von Mäusen; Welpen über die Muttermilch, Hundewelpen schon im Mutterleib | sehr verbreitet; machen vor allem Welpen krank; ansteckend für Menschen |
| Hakenwürmer (Ancylostoma, Uncinaria) | Larven aus der Umgebung werden verschluckt oder dringen durch die Haut ein; bei Hundewelpen auch über die Muttermilch | saugen Blut; bei Welpen Blutarmut möglich |
| Bandwürmer, z. B. Gurkenkernbandwurm, Taenia-Arten | Flöhe oder Haarlinge verschlucken (Gurkenkernbandwurm), Mäuse und andere Beutetiere oder rohes Fleisch fressen | meist wenig Beschwerden; Bandwurmglieder manchmal am Kot oder After sichtbar |
| Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) | Fressen infizierter Mäuse | für das Tier meist harmlos, für den Menschen gefährlich |
| Lungenwürmer, beim Hund vor allem Angiostrongylus vasorum | Fressen von Schnecken (auch versehentlich an Gras oder Spielzeug), bei Katzen auch Beutetiere | Husten, Atemnot, bei A. vasorum auch Blutgerinnungsstörungen |
| Herzwurm (Dirofilaria immitis) | Stich einer infizierten Stechmücke, vor allem im Mittelmeerraum und in Südosteuropa | schwere Herz- und Lungenerkrankung; in Deutschland bisher nicht heimisch |
Der Fuchsbandwurm: klein, aber ernst
Der Fuchsbandwurm ist nur wenige Millimeter lang. Sein Hauptwirt ist der Fuchs, aber auch Hunde und seltener Katzen, die infizierte Mäuse fressen, können ihn beherbergen. Deutschland gehört zu den Gebieten, in denen er verbreitet ist. Für den Menschen kann eine Ansteckung mit den Eiern zur alveolären Echinokokkose führen, einer Erkrankung vor allem der Leber, die nach der ESCCAP-Empfehlung unbehandelt tödlich verlaufen kann. Menschen stecken sich an, indem sie Wurmeier verschlucken. Diese stammen vor allem aus Fuchskot, können aber auch im Fell oder Kot infizierter Hunde stecken.
Deshalb empfiehlt ESCCAP für Hunde, die in Gebieten wie Deutschland Mäuse oder andere kleine Beutetiere jagen und fressen können, eine monatliche Behandlung mit einem gegen diesen Bandwurm wirksamen Mittel. Katzen sind laut ESCCAP vergleichsweise ungeeignete Wirte für den Fuchsbandwurm, gegen Bandwürmer behandelt werden jagende Freigänger trotzdem regelmäßig.
Die ESCCAP-Risikogruppen für Hunde
ESCCAP teilt Hunde nach ihrem Alltag in vier Gruppen ein. Die Zahlen bedeuten Behandlungen oder alternativ Kotuntersuchungen pro Jahr:
| Gruppe | Typischer Hund | Empfehlung nach ESCCAP |
|---|---|---|
| A | lebt nur drinnen oder hat Auslauf ohne direkten Kontakt zu anderen Hunden, Parks, Rohfleisch, Schnecken oder Beutetieren | 1–2 x im Jahr gegen Rundwürmer (Spul- und Hakenwürmer) oder Kotuntersuchung |
| B | hat Kontakt zu anderen Hunden, Hundewiesen, Parks – jagt aber nicht und frisst keine Schnecken | 4 x im Jahr gegen Rundwürmer oder Kotuntersuchung |
| C | frisst gern Schnecken oder Gras, hat Kontakt zu Schnecken | 4–12 x im Jahr gegen Rundwürmer und Lungenwürmer oder Kotuntersuchung, zusätzlich 4–12 x gegen Bandwürmer |
| D | läuft oft unbeaufsichtigt, jagt und/oder frisst Beutetiere, Schlachtabfälle oder rohes Fleisch | 4–12 x im Jahr gegen Rundwürmer oder Kotuntersuchung, 12 x im Jahr gegen Bandwürmer |
Dazu kommen besondere Lebenslagen, die ESCCAP gesondert bewertet:
- Enges Zusammenleben mit kleinen Kindern (unter 5–6 Jahren) oder immungeschwächten Menschen: Soll eine Ansteckung so weit wie möglich ausgeschlossen werden, empfiehlt ESCCAP eine monatliche Entwurmung. Alternativ ist, solange kein Risiko für den Fuchsbandwurm besteht, eine Kotuntersuchung mit Behandlung nach Befund möglich.
- Therapie-, Schul-, Rettungs- oder Polizeihunde: ebenfalls bis zu 12 x im Jahr, je nach Einsatz.
- Hundepension, Ausstellung, Sportwettkampf: einmalig etwa zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Ereignis; bei regelmäßigem Pensionsaufenthalt monatlich.
- Rohfütterung (BARF): Hunde, die rohes Fleisch bekommen, das nicht ausreichend erhitzt (10 Minuten bei 65 °C Kerntemperatur) oder eine Woche bei −17 bis −20 °C eingefroren war, sollten laut ESCCAP alle vier Wochen gegen Bandwürmer behandelt werden. Wer barft, findet in unserem Beitrag BARF für Hunde und Katzen mehr zur Hygiene.
- Floh- oder Haarlingsbefall: zusätzlich eine Behandlung gegen Bandwürmer, weil Flöhe den Gurkenkernbandwurm übertragen. Mehr dazu im Artikel über Flöhe bei Hund und Katze.
Und wenn Sie das Risiko nicht sicher einschätzen können? Dann rät ESCCAP zu mindestens vier Entwurmungen oder Kotuntersuchungen pro Jahr. Die Empfehlung weist ausdrücklich darauf hin, dass Studien zufolge 1–3 Entwurmungen pro Jahr keinen ausreichenden Schutz bieten und auch vier Behandlungen im Jahr eine Ausscheidung von Wurmeiern nicht sicher verhindern. Einen ersten Anhaltspunkt für Ihr Tier gibt der kostenlose Entwurmungstest von ESCCAP.
Die Risikogruppen für Katzen
Bei Katzen unterscheidet ESCCAP zwei Gruppen:
| Gruppe | Typische Katze | Empfehlung nach ESCCAP |
|---|---|---|
| A: Wohnungskatze | lebt nur drinnen oder hat Auslauf auf eingezäunter Terrasse oder Garten; frisst so gut wie sicher keine Mäuse | 1–2 x im Jahr gegen Rundwürmer oder Kotuntersuchung |
| B: Freigänger | Auslauf mit Kontakt zu anderen Katzen, jagt oder frisst Mäuse möglicherweise | 4–12 x im Jahr gegen Rundwürmer oder Kotuntersuchung, zusätzlich 4–12 x gegen Bandwürmer |
Auch reine Wohnungskatzen sind nicht automatisch wurmfrei: Wurmeier können an Schuhen oder Taschen ins Haus gelangen. Für Freigänger, die regelmäßig Mäuse fressen, nennt ESCCAP auf seinen Seiten für Tierhalter eine monatliche Behandlung gegen Bandwürmer. Kontakt zu Babys oder immungeschwächten Menschen, Rohfütterung, Flohbefall und Pensionsaufenthalte gelten wie beim Hund als besondere Situationen.
Kotuntersuchung statt Wurmkur?
Viele Halter möchten nicht „auf Verdacht“ entwurmen. ESCCAP hält eine regelmäßige Kotuntersuchung mit anschließender Behandlung nach Befund bei Hunden der Gruppen A bis C und bei Katzen der Gruppen A und B für eine gute Alternative, was Spul- und Hakenwürmer angeht. Wichtig ist, dass sie genauso oft stattfindet wie die empfohlene Entwurmung, beim Hund mindestens einmal im Jahr.
Die Kotuntersuchung hat allerdings Grenzen, die Sie kennen sollten:
- Würmer scheiden nicht ständig Eier aus. Ein negatives Ergebnis bedeutet nicht, dass das Tier wurmfrei ist. ESCCAP empfiehlt, zur Sicherheit Proben von mehreren Tagen, zum Beispiel drei aufeinanderfolgenden, untersuchen zu lassen.
- Frische Proben nehmen: Kot, der schon länger im Garten liegt, ist ungeeignet. Gebraucht werden laut ESCCAP mindestens 4–10 g.
- Bandwürmer werden schlecht erkannt. Gerade beim Fuchsbandwurm ist der Nachweis im Kot sehr unsicher. Bei Hunden, die jagen oder Mäuse fressen, ersetzt die Kotprobe deshalb die Bandwurmbehandlung nicht. Eine Ausnahme ist der Gurkenkernbandwurm, für den es einen zuverlässigen Antigentest gibt.
- Frisch aufgenommene Würmer fallen noch nicht auf. Bis Spulwürmer Eier legen, vergehen nach ESCCAP je nach Alter und Ansteckungsweg einige Wochen.
- Hunde, die Kot fressen, können falsch positive Ergebnisse liefern. Dann helfen Wiederholungen oder spezielle Antigentests.
Eine Kotuntersuchung ist also kein Weg, möglichst wenig zu tun, sondern ein anderer Weg, das Risiko zu kontrollieren. Für manche Tiere, etwa Wohnungskatzen oder ältere Hunde mit wenig Kontakt, ist sie eine sehr gute Lösung.
Welpen und Kitten
Junge Tiere tragen das größte Risiko, denn Spulwürmer gehen von der Mutter auf den Nachwuchs über: beim Hund schon im Mutterleib und über die Milch, bei der Katze über die Milch. ESCCAP empfiehlt deshalb ein festes Schema, das mit dem Züchter oder der Tierarztpraxis abgestimmt wird:
- Hundewelpen: erstmals mit 2 Wochen, dann alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach dem Absetzen von der Muttermilch („2-2-2-Schema“).
- Katzenwelpen: erstmals mit 3 Wochen, dann alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach dem Absetzen („3-2-2-Schema“).
- Die säugende Mutter wird gleichzeitig mit der ersten Behandlung der Welpen mitbehandelt.
- Bei weiter erhöhtem Risiko, etwa in Welpenspielgruppen oder bei freiem Auslauf, sieht ESCCAP monatliche Behandlungen bis zum sechsten Lebensmonat vor.
Fragen Sie beim Kauf nach, wann und womit der Welpe entwurmt wurde, und lassen Sie sich das schriftlich geben. Beim ersten Termin in der Praxis, meist zusammen mit der Impfung, wird der weitere Plan festgelegt. Zu den Impfterminen lesen Sie mehr in unseren Beiträgen über das Impfen von Hunden und das Impfen von Katzen. Dosierungen nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen vom Mittel und vom Gewicht ab, und gerade bei Welpen ändert sich das Gewicht von Woche zu Woche.
Reisen: Herzwurm und Co.
Wer mit dem Hund in den Mittelmeerraum oder nach Südosteuropa fährt, trifft dort auf den Herzwurm, der von Stechmücken übertragen wird. ESCCAP empfiehlt in solchen Fällen eine spezielle Wurmbehandlung, die spätestens 30 Tage nach der ersten Ansteckungsmöglichkeit beginnt und bei längeren Aufenthalten monatlich fortgesetzt wird, bis nach der Rückkehr. Die Einzelheiten gehören ins Gespräch vor der Abreise. Mehr zu Reisekrankheiten und Einreiseregeln finden Sie im Artikel Mit Hund und Katze ins Ausland.
Hygiene: so schützen Sie Ihre Familie
Weil einige Würmer auch Menschen befallen, ist die Wurmkontrolle nicht nur Tier-, sondern auch Familiengesundheit. Spulwurmlarven können nach dem Verschlucken von Eiern durch den Körper wandern; betroffen sind nach ESCCAP hierzulande vor allem Kleinkinder, meist mit milden Beschwerden, selten mit ernsten Folgen, wenn Auge oder Nervensystem befallen werden. Diese Maßnahmen empfiehlt ESCCAP:
- Kot täglich entfernen – im Garten, auf dem Spaziergang, aus der Katzentoilette – und über den Hausmüll entsorgen, nicht über Toilette oder Kompost.
- Hände waschen nach dem Kontakt mit Tieren, nach Gartenarbeit und vor dem Essen; bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen.
- Obst, Gemüse und Pilze aus Garten und Wald gründlich waschen.
- Sandkästen abdecken, wenn sie nicht benutzt werden, und den Sand ein- bis zweimal im Jahr tauschen.
- Kleine Kinder von kotverschmutzten Flächen fernhalten, etwa von Hundewiesen.
- Rohes Fleisch für Tiere nur ausreichend erhitzt oder vorher tiefgefroren füttern, wenn Sie das Bandwurmrisiko senken wollen.
Wie eng Tier- und Menschengesundheit zusammenhängen, zeigt übrigens auch unser Beitrag darüber, wie sich das Wohlbefinden des Menschen auf die Gesundheit seines Haustiers auswirkt.
Gibt es natürliche Alternativen?
Immer wieder werden Kürbiskerne, Karotten, Kräutermischungen oder homöopathische Mittel als „natürliche Wurmkur“ angeboten. Für keines dieser Mittel gibt es einen belastbaren Nachweis, dass es Würmer bei Hund oder Katze zuverlässig beseitigt, und ESCCAP berücksichtigt sie nicht. Wer auf chemische Wurmmittel möglichst verzichten will, hat mit der regelmäßigen Kotuntersuchung einen fachlich anerkannten Weg, der zu vielen Tieren passt. Eine ausgewogene Ernährung ist für die allgemeine Gesundheit wichtig, verhindert aber keinen Wurmbefall.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Sie bei Ihrem Tier
- Würmer oder reiskornartige Bandwurmglieder im Kot oder am After entdecken,
- wiederkehrenden Durchfall, Erbrechen oder Gewichtsverlust bemerken,
- einen aufgetriebenen Bauch und stumpfes Fell bei einem Welpen oder Kitten sehen,
- häufiges „Schlittenfahren“ auf dem Po beobachten.
Schnell handeln sollten Sie bei Husten, Atemnot, auffälliger Müdigkeit oder ungewöhnlichen Blutungen, besonders bei Hunden, die Schnecken fressen oder Gras kauen. Dahinter kann ein Lungenwurm stecken. Auch ein Hund, der nach einer Reise in den Süden hustet oder schlapp ist, gehört in die Praxis – sagen Sie dort, wo Sie waren.
Ansonsten ist der beste Zeitpunkt für die Frage „Wie oft soll ich entwurmen?“ der nächste Routinetermin: Beschreiben Sie dort offen, wie Ihr Tier lebt, ob es jagt, Schnecken frisst, roh gefüttert wird oder mit kleinen Kindern im Bett schläft. Daraus ergibt sich der passende Plan.
Kurz zusammengefasst
Es gibt keine Wurmkur-Häufigkeit, die für alle passt. Eine Wohnungskatze braucht etwas anderes als ein jagender Landhund. Die ESCCAP-Risikogruppen helfen, den richtigen Rhythmus zu finden, und die Kotuntersuchung ist für viele Tiere eine gute Alternative zur Entwurmung auf Verdacht. Zusammen mit einfacher Hygiene schützt das Ihr Tier und Ihre Familie.
Quellen und weiterführende Informationen (6)
- ESCCAP-Empfehlung Nr. 1: Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, deutsche Adaption, August 2025
- ESCCAP Deutschland: Wie oft Hunde entwurmen?
- ESCCAP Deutschland: Wie oft Katzen entwurmen?
- ESCCAP Deutschland: Würmer bei Hund, Katze und Pferd
- ESCCAP Deutschland: Online-Entwurmungstest
- ESCCAP Deutschland: Tipps zum Schutz vor Reisekrankheiten


