Zum Inhalt springen
heiltierarzt.deRatgeber für Hund & Katze

HundGesundheit

Durchfall beim Hund: Wann abwarten reicht und wann er zum Tierarzt muss

Was hinter Durchfall beim Hund stecken kann, wann Abwarten vertretbar ist, welche Warnzeichen sofort in die Praxis gehören und wie Schonkost den Darm entlastet.

Von der Redaktion heiltierarzt.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Hellbrauner Hund liegt auf einem Holzboden, den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt, und schaut zur Seite

Fast jeder Hundehalter kennt es: Der Hund muss plötzlich dringend raus, und was dann kommt, ist dünn, breiig oder wässrig. Durchfall gehört zu den häufigsten Gründen, warum Hunde in die Tierarztpraxis gebracht werden. In vielen Fällen steckt eine harmlose Ursache dahinter, und der Spuk ist nach ein, zwei Tagen vorbei.

Manchmal ist Durchfall aber das erste Zeichen einer ernsten Erkrankung – einer Vergiftung, einer Virusinfektion oder eines Problems mit anderen Organen. Entscheidend ist deshalb, gut hinzusehen: Wie alt ist der Hund, wie geht es ihm insgesamt, und kommen weitere Beschwerden hinzu?

Dieser Beitrag hilft Ihnen bei dieser Einschätzung. Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Wir können Ihnen erklären, worauf Sie achten sollten und wie Sie Ihren Hund mit Schonkost unterstützen – eine Untersuchung ersetzt das nicht.

Häufige Ursachen

Die Ursachen für akuten Durchfall sind vielfältig. Eine Übersichtsarbeit (Candellone und Kollegen, 2020) nennt unter anderem:

  • Fressfehler: Der Hund hat etwas gefressen, was ihm nicht bekommt – Müll, Aas, Kot anderer Tiere, fettige Essensreste, zu viele Leckerlis.
  • Plötzliche Futterumstellung: Ein neues Futter, das von heute auf morgen gegeben wird, bringt die Verdauung leicht durcheinander. Wie es schonender geht, lesen Sie in unserem Beitrag zur Futterumstellung bei Hund und Katze.
  • Parasiten: Würmer, vor allem aber Einzeller wie Giardien. Nach ESCCAP Deutschland sind Giardien bei Hunden unter einem Jahr die häufigsten Darmparasiten.
  • Viren und Bakterien: zum Beispiel das Parvovirus bei jungen, nicht ausreichend geimpften Hunden.
  • Stress: Reisen, Umzug, Pensionsaufenthalt oder Aufregung können auf den Darm schlagen.
  • Vergiftungen: Viele Gifte lösen Durchfall aus, oft zusammen mit Erbrechen. Welche Stoffe für Hunde gefährlich sind, lesen Sie in unserem Beitrag Was ist giftig für Hunde?.
  • Erkrankungen anderer Organe, etwa der Bauchspeicheldrüse, der Leber, der Nieren oder hormonelle Störungen.
  • Medikamente, zum Beispiel Antibiotika.

Oft lässt sich die genaue Ursache bei einem kurzen Durchfall gar nicht feststellen, und die Beschwerden verschwinden von selbst oder mit einfacher unterstützender Behandlung. Genau deshalb kommt es auf die Warnzeichen an.

Wann Abwarten vertretbar ist

Sie können einen Durchfall zunächst zu Hause beobachten, wenn alle diese Punkte zutreffen:

  • Ihr Hund ist erwachsen und grundsätzlich gesund, also kein Welpe, kein Senior und nicht vorerkrankt.
  • Er ist munter, interessiert und frisst oder hat zumindest Appetit.
  • Er trinkt normal und behält Wasser bei sich.
  • Er erbricht nicht oder nur einmal.
  • Im Kot ist kein Blut, und er ist nicht schwarz-teerartig.
  • Es gibt keinen Verdacht, dass er etwas Giftiges gefressen hat.
  • Der Durchfall besteht erst seit Kurzem.

Beobachten heißt dabei nicht, nichts zu tun: Achten Sie darauf, wie oft der Hund Kot absetzt, wie der Kot aussieht und ob sich sein Allgemeinbefinden verändert. Bessert sich der Durchfall nicht innerhalb von etwa ein bis zwei Tagen oder wird er schlimmer, gehört der Hund in die Praxis – auch wenn er ansonsten fit wirkt.

Wann Sie sofort zum Tierarzt sollten

Nicht abwarten, sondern die Praxis anrufen und hinfahren sollten Sie, wenn

  • ein Welpe Durchfall hat – junge Hunde verlieren schnell viel Flüssigkeit, und ernste Infektionen verlaufen bei ihnen oft dramatisch,
  • Blut im Kot ist, der Kot schwarz und teerartig aussieht oder himbeergeleeartig ist,
  • Erbrechen dazukommt, vor allem wiederholt, oder der Hund Wasser nicht bei sich behält,
  • der Hund matt und apathisch ist, sich zurückzieht oder nicht mehr fressen will,
  • er Fieber hat oder sich auffällig kalt anfühlt,
  • der Bauch schmerzt, gespannt oder aufgebläht ist,
  • Anzeichen von Austrocknung auftreten: trockene, klebrige Schleimhäute, eingesunkene Augen, eine Hautfalte im Nacken, die nur langsam verstreicht,
  • der Durchfall länger als ein bis zwei Tage anhält oder immer wiederkommt,
  • der Hund alt ist oder eine Vorerkrankung hat, etwa eine Herz-, Nieren-, Leber- oder Stoffwechselerkrankung,
  • Sie eine Vergiftung vermuten, auch wenn der Hund sonst unauffällig ist,
  • sehr große Mengen wässrigen Durchfalls in kurzer Zeit abgehen.
Grauer Welpe liegt auf Holzdielen, den Kopf auf die Pfoten gelegt
Welpen verlieren bei Durchfall schnell viel Flüssigkeit und gehören früh in die Praxis.

Besondere Vorsicht bei Welpen: Parvovirose

Hat ein junger, nicht oder nicht vollständig geimpfter Hund Durchfall, müssen Sie auch an Parvovirose denken. Nach der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) äußert sie sich typischerweise durch blutigen Durchfall, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit und eventuell Fieber. Die Erkrankung ist lebensgefährlich. Das Virus ist in der Umwelt äußerst widerstandsfähig, bleibt Wochen bis Monate ansteckend und kann über Schuhe, Kleidung und Gegenstände weitergetragen werden – der Welpe muss also keinen Kontakt zu einem kranken Hund gehabt haben.

Die StIKo Vet zählt die Impfung gegen Parvovirose zu den Kernimpfungen, die jeder Hund haben sollte, und empfiehlt bei Welpen mindestens drei Impfungen in den ersten 16 Lebenswochen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über das Impfen von Hunden. Rufen Sie bei Verdacht vorher in der Praxis an, damit Ihr Welpe nicht im Wartezimmer andere Tiere ansteckt.

Flüssigkeit: das Wichtigste bei Durchfall

Mit dem Durchfall verliert der Hund Wasser und Salze. Deshalb gilt:

  • Frisches Wasser immer anbieten, am besten in mehreren Näpfen und an verschiedenen Orten.
  • Kleine Mengen, dafür öfter, wenn der Hund hastig trinkt und danach erbricht.
  • Trinken fördern: Manche Hunde trinken mehr, wenn das Wasser etwas angereichert ist, zum Beispiel mit ein wenig ungesalzener, selbst gekochter Hühnerbrühe ohne Zwiebeln und Gewürze.

Trinkt Ihr Hund nicht, behält er nichts bei sich oder zeigt er Anzeichen von Austrocknung, reicht häusliche Pflege nicht mehr. Dann muss er in die Praxis, wo ihm bei Bedarf Flüssigkeit über die Vene gegeben werden kann.

Schonkost: den Darm entlasten

Bei einem leichten Durchfall hilft vielen Hunden leicht verdauliche, fettarme Kost für einige Tage. Früher wurde oft eine längere Futterpause empfohlen. Heute raten viele Tierärzte eher dazu, den Darm mit kleinen Portionen gut verträglicher Nahrung zu versorgen, statt den Hund lange hungern zu lassen. Ob und wie lange eine kurze Pause für Ihren Hund sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Praxis. Welpen und kleine Hunde sollten Sie nicht hungern lassen.

Was sich als Schonkost bewährt hat

  • eine magere Eiweißquelle, gekocht und ohne Haut: zum Beispiel Hühner- oder Putenbrust, magerer Fisch, alternativ körniger Frischkäse oder Magerquark in kleinen Mengen
  • eine gut verdauliche Kohlenhydratquelle, weich gekocht: Reis, Kartoffeln oder Nudeln
  • ohne Salz, Gewürze, Zwiebeln oder Knoblauch und ohne Fett oder Öl

Als grobe Orientierung wird häufig etwa ein Teil Eiweiß auf zwei Teile Kohlenhydrate genannt. Geben Sie die Tagesmenge in vier bis fünf kleinen Portionen, lauwarm oder zimmerwarm. Manche Hunde vertragen auch geriebenen Apfel oder gekochte Möhren gut.

Schonkost ist nicht vollständig ausgewogen und nur für wenige Tage gedacht. Bessert sich der Kot, mischen Sie über mehrere Tage schrittweise wieder mehr vom gewohnten Futter unter, bis Sie wieder beim normalen Futter sind. Ist Ihr Hund auf eine besondere Diät eingestellt oder hat er Allergien, sprechen Sie die Schonkost vorher mit Ihrer Praxis ab.

Weiße Keramikschale mit gekochtem weißem Reis vor blauem Hintergrund
Weich gekochter Reis ist ein häufiger Bestandteil von Schonkost.

Was Sie nicht geben sollten

  • Keine Medikamente aus der eigenen Hausapotheke. Mittel gegen Durchfall für Menschen können für Hunde ungeeignet oder sogar gefährlich sein und verschleiern womöglich die Ursache. Auch Kohle, Probiotika oder andere Präparate besser nur nach tierärztlicher Absprache geben.
  • Keine Milch, weil viele Hunde Milchzucker schlecht vertragen.
  • Keine Kauartikel, fettigen Leckerlis oder Knochen, solange der Darm gereizt ist.

Was in eine sinnvoll ausgestattete Erste-Hilfe-Box für Hunde gehört, lesen Sie in unserem Beitrag Für jeden Notfall gerüstet: die Hausapotheke für Hunde.

Die Kotprobe: so helfen Sie der Praxis

Wenn Sie mit Ihrem Hund wegen Durchfall in die Praxis gehen, nehmen Sie möglichst eine frische Kotprobe mit – etwa eine walnussgroße Menge in einem sauberen, gut verschließbaren Gefäß oder einem Kotbeutel. Damit kann die Praxis unter anderem nach Wurmeiern und Einzellern suchen.

Einige Erreger, vor allem Giardien, werden nicht mit jedem Kotabsatz ausgeschieden. ESCCAP Deutschland weist darauf hin, dass es deshalb oft nötig ist, Kot über mehrere Tage zu sammeln. Fragen Sie in der Praxis nach, ob eine solche Sammelprobe sinnvoll ist, und bewahren Sie die Proben bis zur Abgabe kühl auf.

Hilfreich für die Praxis sind außerdem ein paar Notizen: Seit wann besteht der Durchfall? Wie oft am Tag? Wie sieht er aus – breiig, wässrig, schleimig, mit Blut? Hat der Hund erbrochen, gefressen, getrunken? Gab es einen Futterwechsel, einen Ausflug, Kontakt zu anderen Hunden oder die Gelegenheit, etwas Unbekanntes zu fressen? Ein Foto vom Kot ist zwar unappetitlich, aber oft aufschlussreich.

Hygiene zu Hause

Einige Durchfallerreger, darunter Giardien, können auf andere Tiere und in seltenen Fällen auch auf Menschen übergehen. Entfernen Sie Kot deshalb sofort, waschen Sie sich nach dem Kontakt gründlich die Hände, und reinigen Sie Näpfe und Liegeplätze regelmäßig. Leben kleine Kinder oder abwehrgeschwächte Menschen im Haushalt, fragen Sie in der Praxis nach weiteren Maßnahmen.

Durchfall vorbeugen

  • Futter langsam umstellen, über mehrere Tage.
  • Den Speiseplan überschaubar halten: keine Tischreste, keine fettigen Speisen, Leckerlis in Maßen.
  • Mülleimer und Kompost sichern und beim Spaziergang aufpassen, was Ihr Hund aufnimmt.
  • Impfungen und Parasitenvorsorge nach tierärztlicher Empfehlung einhalten.
  • Bei Rohfütterung auf Hygiene achten. Tipps dazu finden Sie in unserem Beitrag über BARF für Hunde und Katzen.

Ein einmaliger weicher Haufen ist noch kein Grund zur Sorge. Behalten Sie aber das Gesamtbild im Blick: Ein munterer erwachsener Hund mit kurzem Durchfall braucht vor allem Wasser, Ruhe und leichte Kost – ein Welpe, ein matter Hund oder Blut im Kot brauchen die Tierarztpraxis.

Quellen und weiterführende Informationen (4)
  1. Candellone und Kollegen (2020): Acute Diarrhea in Dogs: Current Management and Potential Role of Dietary Polyphenols Supplementation. Animals
  2. StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut: Impftabelle Hunde – Parvovirose
  3. AniCura Deutschland: Parvovirose beim Hund
  4. ESCCAP Deutschland: Giardien beim Hund

Weiterlesen