Hund & KatzeErnährung
Futterumstellung bei Hund und Katze: Schritt für Schritt zum neuen Futter
So stellen Sie Hund und Katze schonend auf ein neues Futter um, geben Katzen die nötige Zeit und erkennen, wann Sie besser die Tierarztpraxis fragen.

Irgendwann steht fast jeder Hund und jede Katze vor einem neuen Futter: Der Welpe wird erwachsen, die Lieblingssorte gibt es nicht mehr, die Katze soll mehr Nassfutter bekommen oder die Tierarztpraxis empfiehlt eine Diät. Was für uns Menschen ein harmloser Wechsel wäre, bringt bei Tieren oft den Magen-Darm-Trakt durcheinander.
Mit etwas Geduld klappt die Umstellung in aller Regel problemlos. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, warum Katzen eine Sonderbehandlung brauchen und an welchen Anzeichen Sie merken, dass etwas nicht passt.
Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Geht es um eine Umstellung wegen einer Erkrankung – etwa auf eine Nieren-, Darm- oder Allergiediät –, legt die Tierarztpraxis fest, welches Futter infrage kommt und wie schnell gewechselt wird.
Wann ist eine Futterumstellung sinnvoll?
Nicht jedes Tier braucht Abwechslung im Napf. Ein Hund oder eine Katze, die ein vollständiges Futter gut vertragen, in guter Form sind und gern fressen, können dieses Futter über lange Zeit behalten. Sinnvoll oder nötig ist ein Wechsel zum Beispiel:
- beim Übergang in einen neuen Lebensabschnitt – vom Welpen- oder Kittenfutter zum Futter für Erwachsene, später eventuell zu einem Futter für ältere Tiere (mehr dazu in unserem Ratgeber zum Futter für ältere Hunde und Katzen),
- bei Über- oder Untergewicht, wenn eine andere Energiedichte besser passt (siehe Übergewicht beim Hund),
- wenn das bisherige Futter nicht vollständig ist, etwa weil überwiegend ein Ergänzungsfuttermittel gefüttert wurde,
- bei Unverträglichkeiten oder dauerhaft schlechter Kotqualität – nach tierärztlicher Abklärung,
- auf tierärztliche Anweisung bei Erkrankungen wie einer chronischen Nierenerkrankung,
- wenn Sie mehr Flüssigkeit in die Ernährung bringen möchten, etwa bei Katzen, die wenig trinken.
Warum langsam umstellen?
Die Darmflora und die Verdauungsenzyme stellen sich auf das Futter ein, das ein Tier regelmäßig bekommt. Ändern sich plötzlich Eiweißquelle, Fettgehalt oder Ballaststoffe, reagiert der Darm häufig mit weichem Kot, Durchfall, Blähungen oder Erbrechen. Der amerikanische Tierklinikverband AAHA weist außerdem darauf hin, dass ein abrupter Wechsel – besonders bei Katzen – eine Abneigung gegen das Futter auslösen kann.
Schritt für Schritt: der Umstellungsplan
Die AAHA empfiehlt für Hunde eine Umstellung über etwa sieben Tage, beginnend mit einem Anteil von 25 % neuem Futter. Bei Katzen kann es laut AAHA bis zu 40 Tage dauern; wechselt eine Katze zusätzlich die Futterform (zum Beispiel von trocken auf nass), sind ein bis zwei Monate nicht ungewöhnlich.
Die folgende Tabelle ist ein Richtwert. Maßgeblich ist, wie Ihr Tier reagiert: Bleibt der Kot fest und frisst es gut, gehen Sie zur nächsten Stufe. Wird der Kot weicher, bleiben Sie ein paar Tage auf der aktuellen Stufe oder gehen einen Schritt zurück.
| Stufe | Anteil altes Futter | Anteil neues Futter | Hund (Richtwert) | Katze (Richtwert) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 75 % | 25 % | Tag 1–2 | Tag 1–4 oder länger |
| 2 | 50 % | 50 % | Tag 3–4 | Tag 5–8 oder länger |
| 3 | 25 % | 75 % | Tag 5–6 | Tag 9–12 oder länger |
| 4 | 0 % | 100 % | ab Tag 7 | ab etwa Tag 14 – bei Bedarf viel später |
Für Hunde mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt dürfen Sie sich ruhig zehn Tage oder mehr Zeit lassen.
Tipps für eine reibungslose Umstellung
- Menge im Blick behalten: Neues und altes Futter unterscheiden sich oft in der Energiedichte. Rechnen Sie die Tagesration nach den Angaben des neuen Futters um und wiegen Sie ab.
- Nur eine Sache auf einmal ändern: Wechseln Sie nicht gleichzeitig Futter, Leckerlis und Kauartikel – sonst wissen Sie bei Problemen nicht, woran es liegt.
- Beobachten: Achten Sie auf Kotbeschaffenheit, Appetit, Gewicht und Fell.
- Nicht im falschen Moment: Führen Sie ein neues Futter nicht ein, wenn Ihr Tier gerade krank ist, erbricht oder gestresst ist – etwa kurz nach einem Umzug oder während eines Klinikaufenthalts. Tiere verknüpfen Übelkeit leicht mit dem Futter, das sie gerade bekommen.
Katzen: warum sie mehr Geduld brauchen
Katzen sind beim Futter oft wählerisch. Die AAHA beschreibt, dass sie empfindlich auf Form, Geruch und Geschmack reagieren und Futter mit ungewohnter Konsistenz ablehnen können. Auch die Temperatur spielt eine Rolle: Katzen fressen Futter am liebsten etwa körperwarm und lehnen es sehr kalt oder sehr heiß eher ab.
Die Katze verweigert das neue Futter
Das kommt häufig vor. So können Sie vorgehen:
- Nebeneinander anbieten: Stellen Sie das neue Futter in einem eigenen Napf neben das gewohnte, statt es gleich unterzumischen. Die Katze kann dann in Ruhe probieren.
- Sehr kleine Schritte: Mischen Sie anfangs nur einen Teelöffel unter das gewohnte Futter.
- Anwärmen: Nassfutter aus dem Kühlschrank auf Zimmer- bis Körpertemperatur bringen.
- Geschmack locken: Die AAHA nennt als einfache Hilfen etwas Nassfutter als Topping oder eine salzarme Brühe (für Katzen etwa aus Thunfisch oder Huhn, ohne Zwiebeln und Knoblauch).
- Andere Sorte versuchen: Manchmal liegt es an der Konsistenz – Pastete, Stückchen in Soße oder in Gelee werden sehr unterschiedlich angenommen.
Nie hungern lassen
Der Satz „Wenn sie Hunger hat, frisst sie schon“ ist bei Katzen gefährlich. Frisst eine Katze über mehrere Tage nichts oder viel zu wenig, mobilisiert der Körper Fettreserven schneller, als die Leber sie verarbeiten kann. Es entsteht eine Leberverfettung (hepatische Lipidose). Das Merck Veterinary Manual beschreibt sie als die häufigste erworbene und potenziell tödliche Lebererkrankung der Katze; besonders gefährdet sind übergewichtige Katzen, die aufhören zu fressen.
Deshalb gilt: Frisst Ihre Katze das neue Futter nicht, bieten Sie wieder das gewohnte an und versuchen es später langsamer. Die AAHA betont, dass Katzen jeden Tag ausreichend Energie aufnehmen müssen. Frisst Ihre Katze einen Tag lang gar nichts, sprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis.
Von Trocken- auf Nassfutter
Viele Halter möchten ihre Katze auf Nassfutter umstellen, weil sie damit mehr Wasser aufnimmt. Für Katzen mit Nierenerkrankung empfehlen die Leitlinien der Internationalen Gesellschaft für Katzenmedizin (ISFM) ausdrücklich Nassfutter, um die Wasseraufnahme zu erhöhen. Die Umstellung ist aber oft die schwierigste, weil sich Konsistenz und Geruch stark unterscheiden.
- Beide Futter getrennt anbieten: Nassfutter zu den Mahlzeiten, Trockenfutter in kleiner werdender Menge.
- Mengen umrechnen: Nassfutter enthält rund 75–80 % Wasser. Für dieselbe Energie braucht die Katze ein Vielfaches an Gewicht. Orientieren Sie sich an den Fütterungsangaben beider Produkte und wiegen Sie Ihre Katze regelmäßig.
- Frische beachten: Nassfutter nicht stundenlang stehen lassen, angebrochene Dosen abgedeckt im Kühlschrank lagern.
- Zeit einplanen: Hier sind ein bis zwei Monate normal.
Auch Hunde können von einem Wechsel zwischen Trocken- und Nassfutter profitieren oder ihn schlecht vertragen – das Prinzip der schrittweisen Umstellung gilt genauso.
Umstellung auf Rohfütterung (BARF)
Wer auf Rohfütterung umstellt, ändert fast alles auf einmal: Zutaten, Fett- und Eiweißgehalt, Konsistenz, oft auch den Fütterungsrhythmus. Auch hier ist ein schrittweiser Übergang sinnvoll. Manche Halter führen zunächst eine einzige Fleischsorte ein und ergänzen weitere Bestandteile nach und nach.
Beachten Sie dabei:
- Eine selbst zusammengestellte Ration muss vollständig berechnet sein. Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) weist darauf hin, dass selbst zubereitete rohe wie gekochte Rationen häufig Mängel und Überschüsse aufweisen – für Welpen und Kitten besonders heikel.
- Rohes Fleisch kann Krankheitserreger wie Salmonellen, Campylobacter oder Listerien enthalten, die auch Menschen im Haushalt gefährden – vor allem Kleinkinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen. Einfrieren tötet laut WSAVA nicht alle Bakterien ab.
- Fettreiche Rationen vertragen manche Tiere schlecht; die WSAVA nennt Durchfall bis hin zur Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Ausführlich lesen Sie das in unserem Ratgeber BARF für Hunde und Katzen. Bei älteren oder kranken Tieren sprechen Sie eine Umstellung auf Rohfütterung vorher mit der Tierarztpraxis ab.
Anzeichen, dass etwas nicht passt
Leichte Veränderungen beim Kot in den ersten Tagen sind nicht ungewöhnlich. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn Ihr Tier
- anhaltend weichen Kot oder Durchfall hat, auch nach Verlangsamen der Umstellung,
- erbricht,
- deutlich mehr Blähungen hat oder Bauchgrummeln zeigt,
- das Futter dauerhaft nur widerwillig oder gar nicht frisst,
- sich auffällig oft kratzt, beleckt oder Ohrenprobleme bekommt – das kann, muss aber nicht mit dem Futter zusammenhängen,
- ab- oder zunimmt, obwohl Sie die Menge richtig umgerechnet haben.
Gehen Sie in diesen Fällen einen Schritt zurück. Bessert sich nichts, ist dieses Futter vielleicht nicht das richtige, oder es steckt eine andere Ursache dahinter.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Lassen Sie Ihr Tier tierärztlich untersuchen, wenn
- eine Katze einen Tag lang gar nichts frisst – bei übergewichtigen Katzen besonders zügig,
- ein Hund länger als ein bis zwei Tage deutlich weniger oder nichts frisst,
- Durchfall länger als ein bis zwei Tage anhält oder Blut enthält – mehr dazu in unserem Ratgeber zu Durchfall beim Hund,
- Ihr Tier wiederholt erbricht, matt wirkt oder Bauchschmerzen zeigt,
- Welpen, Kitten oder sehr alte Tiere Durchfall haben – sie verlieren schneller Flüssigkeit,
- gelbliche Schleimhäute oder Augen auffallen (bei Katzen ein mögliches Zeichen einer Leberverfettung),
- Ihr Tier eine bekannte Erkrankung hat und das Futter gewechselt werden soll.
Bei Diätfuttermitteln für kranke Tiere entscheidet die Tierarztpraxis über Futter und Tempo. Die Leitlinien zur Nierenerkrankung der Katze empfehlen zum Beispiel, eine Nierendiät über mehrere Wochen einzuführen – mehr dazu in unserem Ratgeber zur Ernährung bei Niereninsuffizienz der Katze.
Zusammengefasst
Eine Futterumstellung gelingt mit Geduld: beim Hund meist in etwa einer Woche, bei der Katze oft deutlich langsamer. Mischen Sie in kleinen Schritten, rechnen Sie die Menge um, beobachten Sie Kot und Appetit – und lassen Sie eine Katze nie hungern, nur damit sie das neue Futter annimmt. Wenn es trotz Geduld nicht klappt oder Ihr Tier krank wirkt, holen Sie sich tierärztlichen Rat.


