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Niereninsuffizienz bei Katzen: was die Ernährung leisten kann

Bei nierenkranken Katzen waren Nierendiäten in Studien mit längerem Leben verbunden. So gelingt die Umstellung, und so fördern Sie das Trinken Ihrer Katze.

Von der Redaktion heiltierarzt.deÜberarbeitet am 26. September 2026

Ältere, grau getigerte Katze liegt entspannt auf einem Stoff über einem Holzstapel im Garten

Sie trinkt mehr als früher, die Katzentoilette ist nasser, sie wird schmaler und wählerischer beim Fressen: Solche Veränderungen bei einer älteren Katze sind oft die ersten Hinweise auf eine chronische Nierenerkrankung. Wird die Diagnose gestellt, fällt schnell das Wort „Nierendiät“ – und viele Halter fragen sich, was sie selbst tun können.

Die Ernährung ist tatsächlich einer der wichtigsten Bausteine der Behandlung, und sie ist gut untersucht. Dieser Ratgeber erklärt, warum Phosphor und Eiweiß bei Nierenkatzen eine Rolle spielen, was Studien zeigen, wie die Futterumstellung gelingt und wie Sie Ihre Katze zum Trinken bringen.

Wichtig vorab: Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Die Diagnose, die Einteilung in ein Stadium, die Wahl der Diät und jede Medikation – etwa Phosphatbinder, Kalium oder Mittel gegen Übelkeit – gehören in die Hand der Tierarztpraxis. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Empfehlungen zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Er ersetzt keine Behandlung.

Chronische Nierenerkrankung: eine Krankheit des Alters

Bei der chronischen Nierenerkrankung (CNE, englisch CKD) verlieren die Nieren über Monate bis Jahre nach und nach an Funktion. Verlorenes Nierengewebe wächst nicht nach; die Erkrankung ist also nicht heilbar, lässt sich aber oft über lange Zeit gut begleiten.

Die Leitlinien der Internationalen Gesellschaft für Katzenmedizin (ISFM, 2016) beschreiben die Erkrankung als häufig: Sie könne 30–40 % der Katzen über zehn Jahre betreffen. In einer britischen Untersuchung war eine Nierenerkrankung die häufigste Todesursache bei Katzen ab fünf Jahren. Die genaue Ursache bleibt meist unklar.

Typische Anzeichen sind:

  • vermehrtes Trinken und Urinieren,
  • Gewichtsverlust und Muskelabbau,
  • nachlassender oder wählerischer Appetit,
  • gelegentliches Erbrechen,
  • stumpfes, ungepflegtes Fell,
  • Mattigkeit, im späteren Verlauf Mundgeruch.

Viele dieser Anzeichen treten erst auf, wenn ein großer Teil der Nierenfunktion bereits verloren ist. Deshalb empfehlen die Leitlinien für ältere Katzen regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen – mehr dazu in unserem Ratgeber zum Futter für ältere Hunde und Katzen.

Nicht zu verwechseln ist die chronische Erkrankung mit einem akuten Nierenversagen, etwa nach einer Vergiftung. Für Katzen besonders gefährlich sind Lilien; schon geringe Mengen können die Nieren schwer schädigen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Was ist giftig für Katzen?.

Die IRIS-Stadien kurz erklärt

Tierärzte teilen die chronische Nierenerkrankung nach einem System der International Renal Interest Society (IRIS) in vier Stadien ein. Grundlage sind vor allem die Blutwerte Kreatinin und SDMA, gemessen bei einer Katze in stabilem Zustand und möglichst wiederholt. Zusätzlich werden Eiweiß im Urin und Blutdruck bewertet.

Stadium Grob gesagt
1 Nierenschaden nachweisbar, Blutwerte noch weitgehend normal, meist keine Beschwerden
2 leicht erhöhte Nierenwerte, oft wenige oder milde Anzeichen wie vermehrtes Trinken
3 deutlich eingeschränkte Nierenfunktion, häufig Appetitmangel, Gewichtsverlust, Erbrechen
4 schwere Einschränkung, hohes Risiko für Krisen durch Harnvergiftung (Urämie)

In welchem Stadium Ihre Katze ist, kann nur die Tierarztpraxis feststellen. Das Stadium ist wichtig, weil sich danach richtet, welche Behandlung und welche Fütterung empfohlen werden.

Warum die Ernährung so wichtig ist

Phosphor

Gesunde Nieren scheiden überschüssiges Phosphat mit dem Urin aus. Lässt die Nierenfunktion nach, steigt der Phosphatspiegel im Blut. Das bringt den Hormonhaushalt durcheinander (die Nebenschilddrüse wird überaktiv) und gilt als ein Faktor, der das Fortschreiten der Erkrankung begünstigt. Eine Nierendiät enthält deshalb deutlich weniger Phosphor als normales Katzenfutter. Reicht das nicht, kann die Praxis zusätzlich einen Phosphatbinder verordnen, der Phosphat aus dem Futter im Darm bindet. Welches Mittel und welche Menge, legt allein die Tierarztpraxis fest.

Eiweiß: angepasst, nicht radikal gesenkt

Beim Abbau von Eiweiß entstehen Stoffwechselprodukte, die über die Nieren ausgeschieden werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion können sie sich anstauen und zu Übelkeit und Appetitlosigkeit beitragen. Nierendiäten enthalten deshalb meist etwas weniger, dafür hochwertiges Eiweiß.

Gleichzeitig ist die Katze ein Fleischfresser, und Nierenkatzen verlieren oft Muskulatur. Die Frage, wie viel Eiweiß richtig ist, wird in der Fachwelt deshalb weiter diskutiert. IRIS weist darauf hin, dass heutige Nierendiäten die Mindestanforderungen an Rohprotein meist erfüllen und oft deutlich übertreffen. Die Seniorenleitlinien der AAHA (2023) halten fest, dass gesunde Tiere und frühe Nierenstadien keine Eiweißbeschränkung brauchen; eine Beschränkung wird ab Stadium 2 erwogen und ab Stadium 3 empfohlen. Senken Sie Eiweiß deshalb nie auf eigene Faust.

Was eine Nierendiät außerdem verändert

Nierendiäten sind häufig mit Kalium, Omega-3-Fettsäuren und Puffersubstanzen gegen eine Übersäuerung angereichert und im Natrium angepasst. Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich je nach Produkt. Es handelt sich um Diätfuttermittel, deren Einsatz tierärztlich begleitet werden sollte.

Was Studien zeigen

Die Wirkung von Nierendiäten ist für Katzen vergleichsweise gut belegt – bei vielen anderen Fütterungsfragen ist das nicht so.

  • Elliott und Kollegen (2000): 50 Katzen mit stabiler chronischer Nierenerkrankung wurden beobachtet. 29 Katzen nahmen die Nierendiät an, 21 nicht. Die Katzen mit Nierendiät lebten im Median 633 Tage, die ohne 264 Tage. Weil die Katzen die Diät nicht zufällig zugeteilt bekamen, sondern selbst „entschieden“, ist dieser Vergleich allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig.
  • Ross und Kollegen (2006): In einer randomisierten, doppelt verblindeten Studie mit 45 Katzen in den Stadien 2 und 3 bekamen die Tiere entweder eine Nierendiät oder normales Erwachsenenfutter, beobachtet über bis zu 24 Monate. In der Gruppe mit normalem Futter erlitten 26 % der Katzen eine Harnvergiftungskrise, in der Diätgruppe keine. Auch nierenbedingte Todesfälle waren in der Diätgruppe signifikant seltener; bei den Todesfällen aus allen Ursachen zeigte sich kein signifikanter Unterschied.

Auf dieser Grundlage empfehlen die ISFM-Leitlinien eine Nierendiät für Katzen ab Stadium 2. IRIS rät, sie in Stadium 2 zu erwägen und in den Stadien 3 und 4 zu empfehlen. Eine Nierendiät heilt die Erkrankung nicht – sie kann aber helfen, Krisen zu verhindern und die Zeit mit guter Lebensqualität zu verlängern.

Welche Diät ab welchem Stadium? Das entscheidet die Praxis

Ob Ihre Katze eine Nierendiät braucht, welche und ab wann, legt die Tierarztpraxis anhand von Blutwerten, Urinbefund, Blutdruck, Gewicht und Allgemeinbefinden fest. Die Werte werden danach regelmäßig kontrolliert; IRIS empfiehlt zum Beispiel, den Phosphatwert etwa vier bis sechs Wochen nach Beginn der Diät erneut zu messen.

Bitte verzichten Sie auf selbst zusammengestellte „Nierenrezepte“ aus dem Internet. Eine selbst gekochte Ration kann nach den ISFM-Leitlinien eine Alternative sein, wenn eine Katze kein Fertigfutter annimmt – aber nur, wenn sie von einem Fachtierarzt für Tierernährung individuell berechnet wurde. Auch „Seniorenfutter“ ist kein Ersatz für eine Nierendiät, auch wenn es oft etwas weniger Eiweiß und Phosphor enthält als normales Futter.

Wenn die Katze die Diät nicht mag

Nierendiäten schmecken vielen Katzen weniger gut als normales Futter – laut ISFM wohl auch wegen des geringeren Eiweißgehalts. Dazu kommt, dass Nierenkatzen oft ohnehin wenig Appetit haben oder unter Übelkeit leiden. Die Leitlinien geben dazu klare Hinweise:

  • Früh beginnen: Die Diät möglichst schon in Stadium 2 einführen, bevor der Appetit durch die Erkrankung leidet.
  • Langsam umstellen: Die ISFM nennt vier bis acht Wochen. Bieten Sie das neue Futter zunächst neben dem gewohnten an oder mischen Sie es in kleinen Anteilen unter. Wie das allgemein geht, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Futterumstellung bei Hund und Katze.
  • Nicht bei Übelkeit oder in der Klinik: Eine Futterumstellung sollte nicht erfolgen, während die Katze stationär behandelt wird oder ihr übel ist. Sonst verknüpft sie das neue Futter mit dem Unwohlsein und lehnt es dauerhaft ab.
  • Tabletten nicht ins Diätfutter: Medikamente schmecken oft unangenehm. Geben Sie sie mit einem anderen, beliebten Happen, damit die Diät nicht in Verruf gerät.
  • Verschiedene Sorten probieren: Es gibt Nierendiäten als Nass- und Trockenfutter und in unterschiedlicher Konsistenz. Leicht angewärmtes Nassfutter riecht intensiver und wird oft besser angenommen.
  • Übelkeit ansprechen: Frisst Ihre Katze schlecht, sagen Sie es der Praxis. Gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit gibt es Behandlungsmöglichkeiten.

Fressen geht vor

Die ISFM-Leitlinien stellen klar: Dass die Katze genug Energie aufnimmt, hat höchste Priorität. Eine Katze, die ihre Diät verweigert und hungert, ist schlechter dran als eine, die ein nicht ganz ideales Futter frisst. Längeres Hungern kann bei Katzen zudem eine lebensgefährliche Leberverfettung auslösen, wie das Merck Veterinary Manual beschreibt. Die Leitlinien nennen eine Rangfolge: am besten eine Nierendiät als Nassfutter, dann als Trockenfutter, dann eine fachlich berechnete Hausmannskost, danach Senioren- und schließlich normales Erwachsenenfutter. Frisst Ihre Katze die Diät nicht, suchen Sie gemeinsam mit der Praxis nach der besten erreichbaren Lösung. In manchen Fällen kann die Praxis auch eine Ernährungssonde vorschlagen, über die Futter, Wasser und Medikamente gegeben werden.

Schwarz-Weiß-Nahaufnahme einer Katze, die mit der Zunge Wasser aus einer flachen Schale aufnimmt, Wassertropfen fallen zurück
Eine Katze trinkt aus einer flachen Schale.

Wasseraufnahme fördern

Nierenkranke Katzen verlieren über den Urin viel Wasser und trocknen leichter aus. Austrocknung belastet die Nieren zusätzlich. Die ISFM-Leitlinien empfehlen:

  • Nassfutter statt Trockenfutter, wo immer die Katze es annimmt.
  • Zusätzliches Wasser unter das Nassfutter mischen, wenn die Katze das akzeptiert – in kleinen Schritten.
  • Mehrere Wasserstellen in der Wohnung, jederzeit frisch gefüllt.
  • Abwechslung beim Wasser: Manche Katzen bevorzugen fließendes Wasser aus einem Trinkbrunnen, andere eine breite Schale, stehen gelassenes Wasser oder leicht aromatisiertes Wasser (etwa ungesalzenes Kochwasser von Fisch oder Huhn, ohne Zwiebeln und Gewürze).

Reicht das Trinken nicht aus, kann die Tierarztpraxis Flüssigkeit als Infusion unter die Haut geben oder Ihnen zeigen, wie das zu Hause geht. Wie viel und wie oft, entscheidet die Praxis.

Weitere Tipps für den Alltag

  • Regelmäßig wiegen und das Gewicht notieren; Gewichtsverlust ist ein wichtiges Warnsignal.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten anbieten, frisches Futter statt stundenlang stehender Reste.
  • Leckerlis mit Bedacht: Viele Snacks sind reich an Phosphor. Fragen Sie in der Praxis, was erlaubt ist.
  • Zähne im Blick behalten: Schmerzen im Maul verschlechtern den Appetit zusätzlich. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Zahnpflege bei Hund und Katze.
  • Kontrolltermine einhalten: Blutwerte, Blutdruck und Urin werden je nach Stadium in festen Abständen geprüft.

Wann Sie zum Tierarzt sollten

Suchen Sie die Tierarztpraxis auf, wenn Ihre Katze

  • mehr trinkt oder mehr uriniert als früher,
  • abnimmt oder schlechter frisst,
  • einen Tag lang gar nichts frisst – bei Nierenkatzen nicht abwarten,
  • wiederholt erbricht, sehr matt ist oder Mundgeruch nach Ammoniak hat,
  • plötzlich schlecht sieht oder gegen Gegenstände läuft – das kann ein Zeichen für Bluthochdruck sein,
  • schwach wirkt, schwankt oder den Kopf auffällig hängen lässt.

Bei einer bekannten Nierenerkrankung halten Sie die vereinbarten Kontrollen ein und melden Sie Veränderungen frühzeitig, auch wenn der nächste Termin noch nicht ansteht.

Zusammengefasst

Die chronische Nierenerkrankung gehört zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen. Eine Nierendiät mit weniger Phosphor und angepasstem Eiweiß war in Studien mit längerer Überlebenszeit und weniger Krisen verbunden – ob und ab wann Ihre Katze sie braucht, entscheidet die Tierarztpraxis. Ihre Aufgabe ist es, die Umstellung geduldig zu begleiten, das Trinken zu fördern und darauf zu achten, dass Ihre Katze genug frisst. Denn das beste Futter hilft nur, wenn es gefressen wird.

Quellen und weiterführende Informationen (7)
  1. ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Feline Chronic Kidney Disease (Sparkes et al., 2016)
  2. IRIS: Diets for Cats with Chronic Kidney Disease
  3. IRIS: Staging System
  4. Elliott et al. (2000): Survival of cats with naturally occurring chronic renal failure: effect of dietary management. Journal of Small Animal Practice
  5. Ross et al. (2006): Clinical evaluation of dietary modification for treatment of spontaneous chronic kidney disease in cats. JAVMA
  6. 2023 AAHA Senior Care Guidelines for Dogs and Cats
  7. Merck Veterinary Manual: Feline Hepatic Lipidosis

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