Hund & KatzeGesundheit
Zahnpflege bei Hund und Katze: Zähneputzen, Kauartikel und Zahnreinigung
Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Diagnosen bei Hund und Katze. So üben Sie das Zähneputzen, bewerten Kauartikel ehrlich und erkennen Warnzeichen früh.

Mundgeruch gilt bei Hunden und Katzen oft als normal – ist er aber meist nicht. Häufig steckt eine Entzündung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats dahinter. Weil Tiere Schmerzen im Maul gut verbergen und meist weiterfressen, bleiben Zahnerkrankungen oft lange unentdeckt.
Dabei lässt sich mit regelmäßiger Pflege viel erreichen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Zahnstein und Parodontitis entstehen, was es mit den schmerzhaften Zahnresorptionen bei Katzen auf sich hat, wie Sie das Zähneputzen Schritt für Schritt üben und was Kauartikel wirklich leisten.
Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Zahnerkrankungen erkennen und behandeln kann nur die Tierarztpraxis, oft nur mit Röntgenbildern in Narkose. Pflege zu Hause kann vorbeugen – eine bestehende Erkrankung heilt sie nicht.
Wie häufig sind Zahnerkrankungen?
Große Auswertungen von Praxisdaten aus Großbritannien (VetCompass-Programm des Royal Veterinary College) geben einen Eindruck:
- Hunde: In einer Stichprobe von 22.333 Hunden wurde bei 12,5 % innerhalb eines Jahres eine Parodontitis diagnostiziert – also bei etwa jedem achten Hund (O’Neill und Kollegen, 2021). Hunde unter 10 kg hatten ein mehr als dreifach höheres Risiko als Hunde mit 30–40 kg, und das Risiko stieg mit dem Alter steil an.
- Katzen: Bei 15,2 % der Katzen wurde 2019 eine Parodontitis festgestellt; sie war damit die häufigste einzelne Diagnose bei Katzen überhaupt. Katzen über neun Jahre hatten ein mehr als sechsfach höheres Risiko.
Beide Studien betonen, dass die wahre Häufigkeit vermutlich deutlich höher liegt. In der Sprechstunde wird nur das wache Tier angeschaut; Entzündungen unterhalb des Zahnfleischrands sieht man so nicht. Studien, in denen Hunde gezielt untersucht wurden, fanden laut O’Neill Häufigkeiten von 44 bis über 60 %. Die oft zitierte Aussage, „80 % aller Hunde über drei Jahre“ hätten eine Zahnerkrankung, können wir mit einer seriösen Quelle nicht belegen; klar ist aber, dass Zahnprobleme sehr verbreitet sind.
Vom Belag zur Parodontitis
Nach jeder Mahlzeit bildet sich auf den Zähnen ein weicher Belag aus Bakterien, die Plaque. Wird sie nicht entfernt, lagern sich darin innerhalb weniger Tage Mineralien aus dem Speichel ein – es entsteht harter Zahnstein, der sich nicht mehr wegputzen lässt.
Das eigentliche Problem spielt sich aber unter dem Zahnfleischrand ab. Die Bakterien lösen dort eine Entzündung aus: erst eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die noch umkehrbar ist, später eine Parodontitis, bei der Zahnhalteapparat und Kieferknochen abgebaut werden. Die Zähne lockern sich, es bilden sich Taschen und Eiterherde, am Ende fallen Zähne aus. Das tut weh, auch wenn das Tier weiterfrisst.
Kleine Hunderassen und Rassen mit engem Gebiss sind besonders gefährdet. Die VetCompass-Studie nannte unter anderem Toy-Pudel und Cavalier King Charles Spaniel.
Zahnresorptionen bei Katzen (FORL)
Eine Besonderheit der Katze sind Zahnresorptionen, früher „FORL“ genannt (feline odontoklastische resorptive Läsionen). Dabei bauen körpereigene Zellen die Zahnsubstanz ab, oft beginnend am Übergang von Zahn zu Zahnfleisch. Das Merck Veterinary Manual schreibt, dass mehr als 60 % der Katzen im Lauf ihres Lebens Anzeichen dafür entwickeln, ältere und Rassekatzen häufiger.
Zahnresorptionen sind schmerzhaft. Die Ursache ist unbekannt, deshalb kann man ihnen nach heutigem Wissen nicht sicher vorbeugen. Gute Mundhygiene kann laut Merck Veterinary Manual das Fortschreiten allenfalls bremsen, wenn gleichzeitig eine Parodontitis besteht. Erkennen lassen sie sich sicher nur mit Zahnröntgen in Narkose; behandelt werden sie in der Regel durch Ziehen oder Kürzen der betroffenen Zähne. Achten Sie bei Ihrer Katze deshalb auf die Warnzeichen weiter unten und lassen Sie das Maul bei jeder Kontrolle anschauen.
Zähneputzen: der wirksamste Schutz zu Hause
Der amerikanische Fachtierärzteverband für Zahnheilkunde (AVDC) empfiehlt eine tägliche Zahnpflege von klein auf, in erster Linie durch Zähneputzen. Plaque wird innerhalb weniger Tage zu Zahnstein; wer nur einmal pro Woche putzt, kommt deshalb meist zu spät.
Was Sie brauchen
- Eine Zahnbürste für Tiere oder eine weiche Kinderzahnbürste; für den Einstieg eignen sich auch Fingerlinge.
- Zahnpasta für Tiere. Sie darf geschluckt werden und schmeckt meist nach Fleisch oder Fisch.
- Keine Zahnpasta für Menschen. Sie kann den Zuckeraustauschstoff Xylit enthalten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt, dass Xylit bei Hunden eine starke Insulinausschüttung und damit einen lebensgefährlichen Unterzuckerungsschock auslösen kann, teils schon innerhalb von 10–60 Minuten. Menschenzahnpasta enthält zudem Fluorid und Schaumbildner und ist nicht dafür gemacht, geschluckt zu werden – Tiere können aber nicht ausspucken. Die FDA rät ausdrücklich, bei Tieren nur Tierzahnpasta zu verwenden. Mehr über gefährliche Stoffe lesen Sie in unseren Ratgebern Was ist giftig für Hunde? und Was ist giftig für Katzen?.
Schritt für Schritt üben
Geduld ist wichtiger als Gründlichkeit am ersten Tag. Rechnen Sie mit einigen Wochen, bis das Putzen Routine ist – bei Katzen oft länger.
- Anfassen üben: Streicheln Sie Kopf und Lefzen, heben Sie kurz die Lefze an und loben oder belohnen Sie Ihr Tier. Mehrere Tage, jeweils nur Sekunden.
- Zahnpasta kennenlernen: Lassen Sie Ihr Tier etwas Tierzahnpasta vom Finger lecken.
- Mit dem Finger: Reiben Sie mit dem Finger oder einem Fingerling mit etwas Paste über die Außenseiten der Eckzähne und Backenzähne.
- Bürste einführen: Zuerst nur an den großen Eckzähnen, dann nach und nach weiter nach hinten.
- Richtig putzen: Die Bürste im Winkel von etwa 45 Grad zum Zahnfleischrand halten und mit kleinen, kreisenden Bewegungen putzen. Die Außenseiten der hinteren Backenzähne im Oberkiefer sind am wichtigsten, weil sich dort am meisten Zahnstein bildet. Die Innenseiten lassen die meisten Tiere nicht zu; das ist in Ordnung.
- Kurz und positiv halten: Anfangs 30 Sekunden, später etwa ein bis zwei Minuten. Hören Sie auf, bevor Ihr Tier unruhig wird, und belohnen Sie es danach.
Zeigt Ihr Tier beim Putzen Schmerzen, blutet das Zahnfleisch stark oder sind bereits Zahnstein und Entzündung sichtbar, lassen Sie das Maul zuerst untersuchen. Auf entzündetem, schmerzendem Zahnfleisch schadet Putzen mehr, als es nützt, und verleidet dem Tier die Pflege dauerhaft.
Kauartikel, Zahnpflegefutter und Co. – ehrlich betrachtet
Das Angebot an Zahnpflegesnacks, Kaustreifen, Spezialtrockenfutter, Wasserzusätzen und Gels ist riesig. Die Wirkung ist sehr unterschiedlich und bei vielen Produkten nicht belegt.
- Mechanische Wirkung: Manche Kauartikel und spezielle Trockenfutter mit großen, faserigen Kroketten reiben beim Kauen Belag ab. Sie wirken vor allem an den Zahnspitzen, kaum am Zahnfleischrand, wo die Parodontitis entsteht.
- Das VOHC-Siegel: Der Veterinary Oral Health Council, eine Einrichtung amerikanischer Zahnfachtierärzte, vergibt ein Siegel an Produkte, deren Hersteller in mindestens zwei kontrollierten Studien belegt haben, dass sie Plaque oder Zahnstein über einem festgelegten Mindestmaß verringern. Das Siegel sagt nichts darüber, ob ein Produkt eine Erkrankung heilt, und es gilt jeweils nur für „Plaque“ oder „Zahnstein“ oder beides. Achten Sie auf diesen Unterschied, wenn Sie ein Produkt auswählen.
- Kalorien zählen mit: Viele Kausnacks sind energiereich. Rechnen Sie sie in die Tagesration ein, sonst droht Übergewicht (siehe Übergewicht beim Hund).
- Vorsicht mit sehr harten Kauartikeln: Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) weist darauf hin, dass Knochen zu abgebrochenen Zähnen, Verstopfung und Darmverschluss führen können – und dass das Füttern von Knochen das Risiko für Plaque und Zahnverlust durch Parodontitis nicht senkt. Mehr zum Thema Knochen lesen Sie in unserem Ratgeber BARF für Hunde und Katzen.
Kurz gesagt: Geprüfte Kauartikel oder Zahnpflegefutter können eine sinnvolle Ergänzung sein, besonders wenn Putzen schwierig ist. Ersetzen können sie das Zähneputzen nicht.
Professionelle Zahnreinigung: nur in Narkose
Hat sich Zahnstein gebildet oder liegt eine Parodontitis vor, hilft nur eine professionelle Zahnbehandlung in der Tierarztpraxis. Dabei wird Zahnstein ober- und unterhalb des Zahnfleischrands entfernt, jeder Zahn untersucht, oft geröntgt, und die Zähne werden poliert. Kranke Zähne werden bei Bedarf behandelt oder gezogen.
Das geht nur in Narkose. Immer wieder werden Zahnsteinentfernungen ohne Narkose angeboten, etwa bei Hundefriseuren. Der AVDC lehnt diese ab und nennt dafür klare Gründe:
- Der entscheidende Teil der Reinigung findet unter dem Zahnfleischrand statt, wo die Parodontitis aktiv ist. Dort kann man beim wachen Tier nicht gründlich arbeiten.
- Das bloße Entfernen des sichtbaren Zahnsteins hat laut AVDC kaum Wirkung auf die Gesundheit und wiegt die Halter in falscher Sicherheit – der Effekt sei rein kosmetisch.
- Mit scharfen Instrumenten kann das Tier bei einer Kopfbewegung verletzt werden.
- Eine vollständige Untersuchung des Mauls, einschließlich der Zahninnenseiten, ist am wachen Tier nicht möglich; Erkrankungen werden übersehen.
- Die Narkose mit Beatmungsschlauch schützt zudem die Atemwege davor, dass Wasser, Zahnstein und Bakterien eingeatmet werden.
Jede Narkose hat ein Restrisiko. Der AVDC weist aber darauf hin, dass moderne Narkoseverfahren mit Voruntersuchung und Überwachung das Risiko gering halten. Bei älteren Tieren wird die Praxis vorher Blutwerte und Allgemeinzustand prüfen. Wie oft eine Zahnbehandlung nötig ist, hängt vom einzelnen Tier ab.
Warnzeichen: Daran erkennen Sie Zahnprobleme
Tiere zeigen Zahnschmerzen selten deutlich. Achten Sie auf:
- Mundgeruch, der über einen leichten Futtergeruch hinausgeht,
- gerötetes, geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch,
- gelbbraune Beläge an den Zähnen, vor allem an den hinteren Backenzähnen,
- einseitiges Kauen, Futter fallen lassen, Futter nur noch schlucken statt kauen,
- Vorliebe für weiches Futter oder Verweigerung von Trockenfutter,
- vermehrtes Speicheln, Blut im Speichel oder am Spielzeug,
- Pfoten an der Schnauze, Kopfschütteln, Zähneklappern (bei Katzen oft beim Fressen),
- lockere, abgebrochene oder verfärbte Zähne,
- Schwellungen im Gesicht, zum Beispiel unter dem Auge,
- Rückzug, schlechte Laune, weniger Spielfreude oder bei Katzen nachlassende Fellpflege.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Lassen Sie die Zähne Ihres Tieres mindestens einmal im Jahr bei der Routineuntersuchung anschauen, ältere Tiere öfter. Gehen Sie außerdem zeitnah zur Tierarztpraxis, wenn Sie eines der oben genannten Warnzeichen bemerken – besonders bei Schwellungen im Gesicht, abgebrochenen Zähnen oder wenn Ihr Tier nicht mehr richtig frisst.
Sofort zur Praxis oder in den tierärztlichen Notdienst sollten Sie, wenn Ihr Hund Zahnpasta, Kaugummi oder andere Produkte mit Xylit gefressen hat – auch wenn er noch keine Anzeichen zeigt.
Bei älteren Tieren wirken sich Zahnschmerzen oft auf den Appetit aus. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Futter für ältere Hunde und Katzen.
Zusammengefasst
Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Hund und Katze und werden oft lange übersehen. Tägliches Zähneputzen mit Tierzahnpasta ist die wirksamste Vorsorge zu Hause; geprüfte Kauartikel können ergänzen, aber nicht ersetzen. Ist Zahnstein erst einmal da, hilft nur eine gründliche Behandlung in Narkose – Zahnsteinentfernung ohne Narkose sieht gut aus, schützt aber nicht. Achten Sie auf Warnzeichen und lassen Sie das Maul regelmäßig untersuchen; so ersparen Sie Ihrem Tier viele unbemerkte Schmerzen.
Quellen und weiterführende Informationen (7)
- O'Neill et al. (2021): Epidemiology of periodontal disease in dogs in the UK primary-care veterinary setting. Journal of Small Animal Practice
- O'Neill et al. (2023): Periodontal disease in cats under primary veterinary care in the UK: frequency and risk factors
- Merck Veterinary Manual: Tooth Resorption in Small Animals
- American Veterinary Dental College: Companion Animal Dental Scaling Without Anesthesia
- Veterinary Oral Health Council: Protocols and Submissions
- U.S. Food and Drug Administration: Paws Off Xylitol; It's Dangerous for Dogs
- WSAVA Global Nutrition Committee: Raw Meat Based Diets for Pets (2021)


