Hund & KatzeErnährung
Futter für ältere Hunde und Katzen: was sich im Alter wirklich ändert
Ab wann gilt ein Tier als Senior, und was braucht es dann im Napf? Warum Eiweiß nicht pauschal gesenkt werden sollte und alte Katzen oft mehr Energie brauchen.

Die Schnauze wird grau, die Spaziergänge werden gemütlicher, die Katze springt nicht mehr ganz so selbstverständlich aufs Fensterbrett. Mit dem Alter verändert sich der Körper von Hund und Katze – und damit auch, was im Napf landen sollte. Im Handel finden Sie dafür Futter mit Namen wie „Senior“, „Mature“ oder „7+“.
Doch welches Tier braucht wirklich ein anderes Futter, und was sollte sich daran ändern? Eine häufige Annahme lautet: Alte Tiere brauchen weniger Eiweiß und weniger Kalorien. Das stimmt so pauschal nicht – bei Katzen kann sogar das Gegenteil richtig sein. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was die Fachleitlinien sagen und worauf Sie achten können.
Vorab: Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Viele Veränderungen im Alter haben eine medizinische Ursache. Ob eine Erkrankung vorliegt und welches Diätfutter dann nötig ist, klärt die Tierarztpraxis.
Ab wann ist ein Tier ein „Senior“?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht, weil Tiere sehr unterschiedlich altern.
Hunde: Die Leitlinien des amerikanischen Tierklinikverbands AAHA definieren Senioren als Hunde im letzten Viertel ihrer erwarteten Lebenszeit. Weil kleine Rassen im Durchschnitt deutlich älter werden als sehr große, beginnt der Seniorenabschnitt bei einer Dogge viel früher als bei einem Zwergpudel. Ein Hund mit einer erwarteten Lebenszeit von zwölf Jahren wäre demnach etwa ab neun Jahren Senior, einer mit 16 Jahren etwa ab zwölf. Fragen Sie in Ihrer Tierarztpraxis, welche Lebenserwartung für Rasse und Größe Ihres Hundes realistisch ist.
Katzen: Die gemeinsamen Leitlinien von AAHA und dem amerikanischen Katzenärzteverband AAFP (2021) teilen das Katzenleben so ein: junge Erwachsene bis sechs Jahre, reife Erwachsene von sieben bis zehn Jahren, Senioren ab über zehn Jahren. Manche Katzen zeigen Alterserscheinungen schon früher, andere sind mit zwölf noch topfit.
Entscheidend ist also weniger das Geburtsdatum als der Zustand des einzelnen Tiers.
Was sich im Alter verändert
Energiebedarf: beim Hund meist weniger, bei der Katze oft mehr
Bei Hunden sinkt der Energiebedarf im Laufe des Lebens in der Regel, weil sie ruhiger werden und Muskelmasse verlieren. Die AAHA-Seniorenleitlinien (2023) empfehlen für ältere Hunde deshalb eher eine geringere Energiedichte und mehr Ballaststoffe, damit die Figur stimmt. Übergewicht belastet gerade alte Gelenke; mehr dazu in unserem Ratgeber zum Übergewicht beim Hund.
Bei Katzen ist es komplizierter. Laut AAHA sinkt der Energiebedarf bis etwa zum zehnten Lebensjahr und steigt danach wieder an, wobei die Daten stark schwanken. Ein Grund: Viele alte Katzen verdauen ihr Futter schlechter. Nach den AAHA-Leitlinien verwerten etwa 20 % der Katzen über elf Jahre Eiweiß schlechter, bis zu 33 % Fett. Eine alte Katze kann also bei gleicher Futtermenge abnehmen. Für gesunde ältere Katzen empfehlen die Leitlinien deshalb eher energiereicheres, gut verdauliches, schmackhaftes Futter in kleineren, häufigeren Portionen.
Muskelabbau: warum Eiweiß nicht pauschal gesenkt werden sollte
Mit dem Alter geht Muskulatur verloren – Fachleute sprechen von Sarkopenie. Laut AAHA können Katzen zwischen zehn und 15 Jahren bis zu einem Drittel ihrer fettfreien Körpermasse verlieren. Hunde verlieren eher Muskeln und setzen gleichzeitig Fett an; die Waage zeigt dann womöglich kaum eine Veränderung.
Eiweiß ist der Baustoff für Muskeln. Die AAHA-Seniorenleitlinien halten fest, dass ältere Tiere, besonders Katzen, bis zu 50 % mehr Eiweiß benötigen können, um den Muskelabbau zu bremsen. Auch das Merck Veterinary Manual schreibt, dass ältere Hunde möglicherweise mehr Eiweiß brauchen als jüngere, um ihre Eiweißreserven zu erhalten. Und: Gesunde Tiere sowie Tiere in frühen Stadien einer Nierenerkrankung brauchen laut AAHA keine Eiweißbeschränkung.
Die alte Faustregel „Senioren brauchen wenig Eiweiß, um die Nieren zu schonen“ ist für gesunde Tiere also überholt. Eine gezielte Anpassung von Eiweiß und Phosphor gehört zur Behandlung einer bestehenden Nierenerkrankung – und die legt die Tierarztpraxis fest (siehe unten).
Den Muskelzustand können Sie selbst beobachten: Tasten Sie über Wirbelsäule, Schulterblätter, Hüftknochen und Schädel. Werden die Knochen dort deutlicher spürbar, obwohl das Gewicht gleich bleibt, spricht das für Muskelabbau. Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) stellt dafür eine eigene Skala bereit, den Muscle Condition Score.
Zähne und Maul
Zahnerkrankungen nehmen mit dem Alter deutlich zu. Schmerzen im Maul sind ein häufiger, oft übersehener Grund, warum ältere Tiere schlechter fressen, nur noch weiches Futter nehmen oder Futter fallen lassen. Bei Katzen kommen schmerzhafte Zahnresorptionen hinzu. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Zahnpflege bei Hund und Katze. Frisst Ihr Tier plötzlich anders, lassen Sie das Maul untersuchen, bevor Sie das Futter wechseln.
Nieren und Trinken
Chronische Nierenerkrankungen sind vor allem bei alten Katzen häufig. Die Leitlinien der Internationalen Gesellschaft für Katzenmedizin (ISFM) schätzen, dass 30–40 % der Katzen über zehn Jahre betroffen sein können. Ein frühes Zeichen ist vermehrtes Trinken und Urinieren. Achten Sie darauf, ob Ihr Tier mehr trinkt oder die Katzentoilette nasser ist als früher, und sprechen Sie das in der Praxis an.
Unabhängig davon ist ausreichend Flüssigkeit für ältere Tiere wichtig:
- Stellen Sie mehrere Wassernäpfe auf, bei Katzen gern entfernt vom Futterplatz und von der Toilette.
- Manche Katzen trinken lieber aus breiten, flachen Schalen, in denen die Schnurrhaare nicht anstoßen, oder aus einem Trinkbrunnen – das nennen auch die AAHA/AAFP-Leitlinien.
- Nassfutter bringt viel Wasser mit. Bei Hunden hat eine Studie gezeigt, dass Senioren angefeuchtetes Futter besser verdauten, wie die AAHA-Leitlinien berichten.
- Achten Sie bei gelenkkranken Tieren darauf, dass Wasser und Futter ohne Treppen und Sprünge erreichbar sind.
Wie die Ernährung bei einer bestehenden Nierenerkrankung aussieht, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Ernährung bei Niereninsuffizienz der Katze.
„Seniorenfutter“: was draufsteht, was drin ist
„Senior“ ist auf Futterpackungen kein rechtlich geschützter Begriff. Es gibt keine festgelegten Nährstoffvorgaben, die ein Seniorenfutter erfüllen muss; die AAHA-Seniorenleitlinien weisen darauf hin, dass auch der amerikanische Futtermittelverband AAFCO keine eigenen Senior-Anforderungen festgelegt hat. Entsprechend unterschiedlich sind die Produkte: Manche haben weniger Energie und Eiweiß, andere mehr; manche sind phosphorärmer, andere nicht.
Das heißt für Sie:
- Ein Seniorenfutter ist kein Muss. Ein gesunder älterer Hund oder eine gesunde ältere Katze in guter Form kann beim bewährten Alleinfuttermittel bleiben.
- Schauen Sie auf die Werte, nicht auf den Namen. Vergleichen Sie Energie, Eiweiß, Fett und Phosphor – am besten umgerechnet auf die Trockenmasse. Wie das geht, erklären unsere Ratgeber zu gesundem Katzenfutter und zu hochwertigem Hundefutter.
- Richten Sie die Wahl nach dem Tier aus: Ein älterer Hund, der zunimmt, braucht etwas anderes als eine alte Katze, die abnimmt.
- Ergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren oder Gelenkpräparate werden häufig beworben. Ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, besprechen Sie mit der Tierarztpraxis – besonders, wenn Ihr Tier Medikamente bekommt.
Wenn Sie wechseln, dann schrittweise. Alte Tiere reagieren oft empfindlicher auf Veränderungen. Wie Sie vorgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Futterumstellung bei Hund und Katze.
Praktische Tipps für den Alltag
- Regelmäßig wiegen: alle zwei bis vier Wochen, bei Katzen mit einer Babywaage oder durch Differenzwiegen auf der Personenwaage.
- Körper- und Muskelzustand tasten und notieren.
- Kleinere, häufigere Mahlzeiten helfen Tieren mit wenig Appetit.
- Futter leicht anwärmen, wenn der Geruchssinn nachlässt – das macht es für viele Katzen attraktiver.
- Erhöhte Näpfe oder rutschfeste Unterlagen erleichtern gelenkkranken Hunden das Fressen.
- Bewegung erhalten: Angepasste, regelmäßige Bewegung hilft, Muskulatur zu bewahren.
- Nicht hungern lassen: Frisst eine ältere Katze einen Tag nichts, ist das ein Grund für einen Anruf in der Praxis.
Regelmäßige Kontrollen
Viele Alterskrankheiten beginnen schleichend und fallen erst spät auf. Die AAHA-Seniorenleitlinien empfehlen für ältere Hunde und Katzen ein- bis zweimal im Jahr eine Untersuchung mit Blutbild, Blutchemie und Urinuntersuchung, bei Bedarf ergänzt etwa um Blutdruck und Schilddrüsenwerte. Senioren-Katzen sollten laut AAHA/AAFP mindestens alle sechs Monate tierärztlich gesehen werden, bei chronischen Erkrankungen öfter.
Bei jeder Kontrolle werden idealerweise Gewicht, Körper- und Muskelzustand festgehalten. So lassen sich Veränderungen erkennen, bevor sie dramatisch werden – und die Fütterung kann rechtzeitig angepasst werden. Bringen Sie zum Termin mit, was und wie viel Ihr Tier frisst, einschließlich Leckerlis.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Lassen Sie Ihr älteres Tier tierärztlich untersuchen, wenn es
- ungewollt abnimmt oder deutlich zunimmt,
- mehr trinkt oder mehr uriniert als früher,
- schlechter frisst, Futter fallen lässt, einseitig kaut oder Mundgeruch hat,
- erbricht oder Durchfall hat, besonders wiederholt,
- lahmt, ungern aufsteht oder nicht mehr springt,
- verändertes Verhalten zeigt, etwa Unsauberkeit, nächtliche Unruhe oder Orientierungslosigkeit,
- als Katze einen Tag lang nichts frisst.
Zusammengefasst
Ob ein Tier „alt“ ist, hängt bei Hunden von Größe und Rasse ab, bei Katzen beginnt der Seniorenabschnitt nach den Leitlinien ab etwa zehn Jahren. Wichtiger als ein Futter mit dem Aufdruck „Senior“ sind eine passende Energiemenge, ausreichend hochwertiges Eiweiß gegen Muskelabbau, genug Flüssigkeit und regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Zähnen, Blut und Urin. Gesunde ältere Hunde brauchen oft weniger Energie, alte Katzen dagegen häufig mehr – beobachten Sie Ihr Tier genau, dann finden Sie gemeinsam mit der Tierarztpraxis die passende Fütterung.
Quellen und weiterführende Informationen (6)
- 2023 AAHA Senior Care Guidelines for Dogs and Cats
- 2021 AAHA/AAFP Feline Life Stage Guidelines
- 2021 AAHA Nutrition and Weight Management Guidelines for Dogs and Cats
- Merck Veterinary Manual: Feeding Practices in Small Animals
- WSAVA: Muscle Condition Score Chart for Dogs
- ISFM Consensus Guidelines on the Diagnosis and Management of Feline Chronic Kidney Disease (2016)


