Warum der Rechner einen Zeitraum nennt
Beim Menschen lässt sich der Geburtstermin recht genau vorhersagen. Bei der Hündin nicht: Sie lässt den Rüden oft schon Tage vor dem Eisprung zu, und Samenzellen können im Genitaltrakt eine Woche und länger befruchtungsfähig bleiben. Das Datum des Deckakts und das Datum der Befruchtung liegen deshalb oft mehrere Tage auseinander. Das MSD Veterinary Manual, ein tiermedizinisches Standardwerk, nennt für die Hündin eine Tragzeit von 58 bis 72 Tagen ab dem ersten Tag, an dem sie gedeckt wurde.
Genauer wird es, wenn die Tierarztpraxis den Eisprung über Blutwerte (Progesteron) bestimmt hat: Die Geburt folgt dann 64 bis 66 Tage nach dem Anstieg des Hormons LH. Wer züchtet, sollte das mit der Praxis besprechen – vor allem bei Rassen, bei denen ein geplanter Kaiserschnitt nötig werden kann.
Bei der Katze ist es einfacher, weil der Deckakt den Eisprung auslöst. Die Geburt folgt meist 64 bis 66 Tage danach. Kitten, die vor dem 61. Tag geboren werden, sind in der Regel nicht lebensfähig. Bei Hündin und Katze gilt eine Trächtigkeit von mehr als 70 Tagen ab einem bekannten Deckdatum als verlängert – dann gehört das Tier in die Praxis.
Der Zeitplan im Überblick
| Tag ab Deckakt | Hündin | Katze |
|---|---|---|
| ab 21 | Vorher liefert Ultraschall oft falsch negative Ergebnisse | Abtasten und Ultraschall ab etwa Tag 21–30 |
| 22–27 | Bluttest (Relaxin) wird aussagekräftig | – |
| 25–35 | Beste Zeit für den Ultraschall | – |
| 42–45 | Skelette der Jungen werden im Röntgenbild sichtbar | |
| ab 55 | Beste Zeit, um die Zahl der Jungen im Röntgenbild zu bestimmen | |
| 58–72 | Geburtszeitraum | – |
| 61–70 | – | Geburtszeitraum, meist Tag 64–66 |
| über 70 | Verlängerte Trächtigkeit: Praxis anrufen | |
Quelle: MSD Veterinary Manual (Davidson 2025; Scully). Die Tagesangaben der Fachliteratur beziehen sich teils auf das Trächtigkeitsalter, nicht auf den Deckakt – rechnen Sie mit ein paar Tagen Spielraum.
Temperatur messen bei der Hündin
Bei den meisten Hündinnen fällt die im Po gemessene Körpertemperatur 8 bis 24 Stunden vor der Geburt auf etwa 36,7–37,8 °C. Wenn Sie in den Tagen vor dem frühesten Termin morgens und abends messen, erkennen Sie diesen Abfall. Beginnt die Geburt 24 bis 36 Stunden danach noch nicht, rufen Sie die Praxis an. Bei Katzen ist der Temperaturabfall kein verlässliches Zeichen.
Wurfkiste und Vorbereitung
Stellen Sie Wurfkiste oder Wurfplatz rechtzeitig vor dem frühesten Termin an einem ruhigen, warmen Ort auf, damit sich das Muttertier daran gewöhnen kann. Legen Sie die Telefonnummern Ihrer Praxis und eines Notdienstes bereit und klären Sie vorher, wer nachts erreichbar ist. Bei Rassen mit kurzem Kopf oder sehr kleinem Körper – das MSD Veterinary Manual nennt zum Beispiel Bulldoggen, Möpse, Boston Terrier, Chihuahuas, Perser und Siamkatzen – kommen Geburtsprobleme deutlich häufiger vor. Planen Sie die Geburt dort von Anfang an mit der Praxis.
Fütterung in der Trächtigkeit
Laut den Richtlinien des Heimtiernahrungsverbands FEDIAF steigt der Energiebedarf der Hündin vor allem in den letzten fünf Wochen der Trächtigkeit, in der Säugezeit dann stark – abhängig von der Zahl der Welpen. Auch Katzen brauchen in der Trächtigkeit mehr Energie. Ein Futter für Wachstum und Fortpflanzung ist darauf ausgelegt; die Menge besprechen Sie am besten mit der Praxis oder einer Ernährungsberatung.
Wann Sie sofort anrufen sollten
Die meisten Geburten verlaufen ohne Hilfe. Die Warnzeichen im Kasten oben stammen aus dem MSD Veterinary Manual und bedeuten: Die Geburt stockt, oder Mutter und Junge sind in Gefahr. Dann zählt Zeit. Versuchen Sie bitte nicht, selbst Junge herauszuziehen oder Medikamente zu geben – das gehört in tierärztliche Hände.
Normal ist dagegen: In der ersten Phase, die meist 12 bis 24 Stunden dauert, ist das Tier unruhig, baut ein Nest, hechelt, zittert und frisst oft nicht. Der Ausfluss ist klar und wässrig. Zwischen zwei Jungen liegen meist 30 bis 60 Minuten.
Trächtigkeit bestätigen lassen
Ein runder Bauch und ein verändertes Verhalten beweisen noch keine Trächtigkeit. Hündinnen können nach jeder Läufigkeit scheinträchtig werden und dabei sogar Milch geben. Lassen Sie die Trächtigkeit deshalb per Ultraschall bestätigen – dabei lässt sich auch prüfen, ob sich die Jungen normal entwickeln.
Wenn die Verpaarung ungeplant war
Sprechen Sie möglichst bald mit Ihrer Tierarztpraxis. Sie kann mit Ihnen besprechen, welche Möglichkeiten es gibt und was für die Gesundheit Ihres Tieres am besten ist. Denken Sie auch an die Jungen: Sie brauchen in den ersten Wochen viel Betreuung, Impfungen, Entwurmungen und später ein gutes Zuhause. Um weitere ungewollte Würfe zu vermeiden, ist eine Kastration eine Möglichkeit, die Sie mit der Praxis abwägen können – mehr dazu im Ratgeber Kastration beim Hund.