Was der Body Condition Score ist
Die Waage allein sagt wenig: 30 kg können für einen Hund ideal und für einen anderen deutlich zu viel sein. Tierärztinnen und Tierärzte beurteilen deshalb zusätzlich den Körperzustand, den Body Condition Score (BCS). Die Weltkleintierärztevereinigung WSAVA und der europäische Heimtiernahrungsverband FEDIAF empfehlen dafür eine Skala von 1 bis 9. Sie ist für Hunde und Katzen wissenschaftlich überprüft, und laut einer Studie, auf die sich die FEDIAF beruft, können auch Tierhalter sie mit etwas Übung ausreichend genau anwenden.
Bewertet werden drei Dinge: wie gut sich die Rippen fühlen lassen, ob von oben eine Taille hinter den Rippen zu sehen ist und wie die Bauchlinie von der Seite verläuft. Stufe 5 gilt als ideal. Beim Hund nennt die FEDIAF 4 bis 5 als Idealbereich. Bei kastrierten, wenig aktiven Katzen kann laut FEDIAF eine 4 optimal sein; die WSAVA hält umgekehrt eine 6 bei manchen, vor allem älteren Katzen noch für vertretbar.
So wird das Zielgewicht geschätzt
Die FEDIAF gibt in ihren Richtlinien (Anhang 7.1) für jede Stufe an, wie weit das Gewicht ungefähr über dem Idealgewicht liegt. Daraus ergibt sich das Zielgewicht: heutiges Gewicht geteilt durch (1 + Übergewichtsanteil). Weil die Stufen selbst Spannen sind, ist auch das Ergebnis eine Spanne.
| Stufe | Hund | Katze |
|---|---|---|
| 5 – ideal | 0 % | 0 % |
| 6 – leicht übergewichtig | +10–15 % | +10–15 % |
| 7 – übergewichtig | +20–30 % | +20–30 % |
| 8 – fettleibig | +30–45 % | +30–40 % |
| 9 – stark fettleibig | über 45 % | über 40 % |
Quelle: FEDIAF Nutritional Guidelines 2025, Tabellen VII-1 und VII-2.
Ein Beispiel: Ein Hund mit 33 kg und Stufe 7 liegt etwa 20–30 % über seinem Idealgewicht. 33 ÷ 1,3 ≈ 25,4 kg und 33 ÷ 1,2 = 27,5 kg – das Zielgewicht liegt also ungefähr zwischen 25,5 und 27,5 kg. Daraus entsteht die bekannte Faustregel „je Stufe über 5 etwa 10 bis 15 % Übergewicht“.
Warum das nur eine Orientierung ist
- Die Einstufung ist eine Schätzung mit dem Auge und den Händen. Eine Stufe daneben verschiebt das Zielgewicht um rund zehn Prozent.
- Bei Stufe 9 ist nach oben offen, wie viel zu viel es ist. Die Rechnung nennt dann nur eine Obergrenze fürs Zielgewicht.
- Muskeln zählen nicht mit: Ein älteres Tier mit wenig Muskulatur kann trotz „normaler“ Rippen zu viel Fett tragen.
- Langes oder dichtes Fell täuscht. Verlassen Sie sich aufs Fühlen.
Warum sich das Abnehmen lohnt – und warum mit der Praxis
Übergewicht ist bei Hunden und Katzen verbreitet und wird von Haltern oft nicht erkannt. In einer großen Auswertung von Tierarztdaten aus den USA (Montoya und Kollegen, 2023) hatten stark übergewichtige Hunde eine um mehr als ein Jahr kürzere Lebenserwartung als Hunde mit Idealfigur. Eine Langzeitstudie an Labradoren, auf die sich die FEDIAF stützt, fand bei knapper gefütterten Hunden eine längere Lebenszeit und einen späteren Beginn chronischer Krankheiten.
Ein Abnehmplan sollte trotzdem nicht auf eigene Faust entstehen. Die Praxis klärt zuerst, ob eine Krankheit hinter dem Gewicht steckt, legt ein realistisches Ziel und ein sicheres Tempo fest und prüft regelmäßig nach. Wer einfach weniger vom normalen Futter gibt, riskiert einen Mangel an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Bei Katzen kann eine erzwungene Diät, bei der sie das Futter verweigern, eine gefährliche Leberverfettung auslösen.
Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten
- Ihr Tier liegt bei Stufe 7 oder höher – oder bei 6 und nimmt weiter zu.
- Ihr Tier liegt unter Stufe 4 oder verliert ohne erkennbaren Grund Gewicht. Untergewicht kann ein Krankheitszeichen sein.
- Der Bauch wird plötzlich dick, obwohl Rücken und Rippen mager bleiben – das kann andere Ursachen als Fett haben und gehört zeitnah untersucht.
Wie viel Ihr Tier bei guter Figur fressen sollte, zeigt der Futtermengen-Rechner. Hintergründe für Hundehalter stehen im Ratgeber Übergewicht beim Hund.