So rechnet der Futtermengen-Rechner
Grundlage sind die Ernährungsrichtlinien des europäischen Heimtiernahrungsverbands FEDIAF in der Fassung vom September 2025. Sie werden jährlich von einem unabhängigen wissenschaftlichen Beirat überprüft und sind in Europa der gängige Maßstab für Alleinfutter. Gerechnet wird mit dem Energiebedarf in Kilokalorien umsetzbarer Energie (kcal ME) am Tag. Weil große Tiere je Kilogramm weniger Energie brauchen als kleine, wird nicht mit dem Körpergewicht selbst gerechnet, sondern mit dem „metabolischen Körpergewicht“:
- Erwachsener Hund: Faktor × Gewicht0,75. Der Faktor hängt von der Bewegung ab: 95 bei unter einer Stunde am Tag, 110 bei ein bis drei Stunden ruhiger Bewegung, 125 bei ein bis drei Stunden mit viel Rennen und Springen, 150–175 bei Arbeitshunden, höchstens 90 bei Hunden, die leicht zunehmen (FEDIAF, Tabelle VII-7).
- Erwachsene Katze: Faktor × Gewicht0,67. Für kastrierte Katzen und Wohnungskatzen nennt die FEDIAF 52–75, für aktive Katzen 100 (Tabelle VII-9).
- Welpe (8 Wochen bis 1 Jahr): (254,1 − 135 × Gewicht ÷ Endgewicht) × Gewicht0,75. Die Gleichung beruht auf einer Erhebung an privat gehaltenen Welpen (Klein und Kollegen, 2019) und liegt spürbar niedriger als ältere Lehrbuchformeln. Das ist gewollt: Zu viel Energie lässt Welpen zu schnell wachsen, und das schadet besonders bei großen Rassen dem Skelett.
- Kitten: ein Vielfaches von 100 × Gewicht0,67 – bis zum 4. Monat das 2- bis 2,5-Fache, vom 4. bis 9. Monat das 1,75- bis 2-Fache, danach das 1,5-Fache (Tabelle VII-10).
Den Tagesbedarf teilt der Rechner durch den Energiegehalt des Futters. Wo die FEDIAF einen einzelnen Wert nennt, zeigt er eine Spanne von ±10 %, denn die Richtlinie bezeichnet ihre Zahlen selbst als Startpunkte: Rasse, Temperament, Fell, Umgebungstemperatur und Gesundheit verschieben den Bedarf deutlich.
Beispiel
Ein erwachsener Hund mit 20 kg und ein bis drei Stunden ruhiger Bewegung: 200,75 ≈ 9,46; mal 110 ergibt rund 1.040 kcal am Tag, also etwa 940–1.140 kcal. Bei einem Trockenfutter mit 380 kcal je 100 g sind das ungefähr 245–300 g am Tag.
Wo finde ich den Energiegehalt?
Viele Hersteller drucken ihn auf die Packung, mal in kcal je 100 g, mal je Kilogramm, mal in Kilojoule – der Rechner rechnet alle vier Einheiten um. Fehlt die Angabe, lässt sich der Wert aus den „Analytischen Bestandteilen“ schätzen, die immer auf der Packung stehen müssen. Der Rechner nutzt dafür die Vier-Schritt-Gleichung, die auch die FEDIAF vorsieht (Kapitel 7.2.2.2): Bruttoenergie aus Protein, Fett und Kohlenhydraten, davon der verdauliche Anteil abhängig vom Rohfasergehalt, abzüglich der Verluste über den Harn. Bei Hundefutter mit sehr viel Faser (über 8 % in der Trockenmasse) unterschätzt die Gleichung den Wert etwas.
Die dritte Möglichkeit – „grob schätzen“ – ist ein Notbehelf. Die Annahme von 340–400 kcal je 100 g für Trocken- und 80–120 kcal für Nassfutter ist keine Normzahl, sondern soll nur die Größenordnung zeigen. Die Spanne im Ergebnis wird dadurch entsprechend breit.
Leckerlis gehören in die Rechnung
Kauartikel, Trainingshappen und Reste vom Tisch liefern oft mehr Energie, als man denkt. Die Weltkleintierärztevereinigung WSAVA wertet es als Warnzeichen, wenn mehr als 10 % der Tagesenergie aus Snacks und Tischresten kommen. Der Rechner zeigt deshalb, wie viel das wäre – und um wie viel Sie das Hauptfutter dann kürzen sollten. Leckerlis werden abgezogen, nicht obendrauf gegeben.
Der Rippentest entscheidet, nicht die Rechnung
Jede Formel liefert nur den Startwert. Ob er stimmt, zeigt Ihr Tier: Legen Sie die flachen Hände seitlich auf den Brustkorb. Die Rippen sollten sich ohne Druck gut fühlen lassen, aber nicht sichtbar sein; von oben ist hinter den Rippen eine Taille zu erkennen. Wiegen Sie Ihr Tier alle zwei bis vier Wochen und passen Sie die Menge in kleinen Schritten an, wenn es zu- oder abnimmt. Eine Anleitung mit Schemazeichnungen finden Sie im Figur-Check.
Wann Sie zur Tierarztpraxis sollten
- Übergewicht: Reduzieren Sie nicht auf eigene Faust. Eine zu knappe Ration kann zu Nährstoffmangel führen, und bei Katzen kann eine erzwungene Diät, bei der sie das Futter verweigern, eine gefährliche Leberverfettung (hepatische Lipidose) auslösen. Ein Abnehmplan gehört in die Hand der Praxis. Mehr dazu im Ratgeber Übergewicht beim Hund.
- Untergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust trotz normaler Fütterung.
- Ihr Tier frisst plötzlich deutlich mehr oder weniger als sonst, trinkt auffällig viel oder hat eine chronische Erkrankung wie eine Nieren- oder Schilddrüsenerkrankung.
- Trächtige und säugende Tiere: Ihr Bedarf ändert sich von Woche zu Woche. Das deckt dieser Rechner nicht ab.
Große Rassen wie Doggen haben laut FEDIAF einen deutlich höheren Bedarf je metabolischem Kilogramm, Neufundländer eher einen niedrigeren. Ältere Hunde über sieben Jahre brauchen im Mittel weniger Energie als junge (Tabelle VII-6). Auch hier gilt: Die Waage und der Rippentest zeigen, ob die Menge passt.