Hund & KatzeGesundheit
Zecken bei Hund und Katze: erkennen, entfernen, vorbeugen
Welche Zecken gibt es in Deutschland, welche Krankheiten übertragen sie auf Hund und Katze, und wie entfernen Sie eine Zecke richtig? Ein Überblick nach ESCCAP.

Nach einem Spaziergang durch hohes Gras sitzt sie plötzlich am Ohr oder zwischen den Zehen: eine Zecke. Für Hunde und Katzen sind Zecken mehr als ein lästiger Blutsauger. Sie können Krankheitserreger übertragen, die zum Teil erst Wochen später Beschwerden machen und schwer verlaufen können.
Die gute Nachricht: Mit täglichem Absuchen, richtigem Entfernen und einem passenden Schutz lässt sich das Risiko deutlich senken. Wir stützen uns in diesem Artikel vor allem auf die Empfehlungen von ESCCAP Deutschland, dem Fachverband von Tiermedizinern und Parasitologen, der Leitlinien zur Parasitenbekämpfung bei Hund und Katze herausgibt.
Wichtig vorab: Wir sind Ernährungsberater für Hunde und Katzen, keine Tierärzte. Dieser Artikel erklärt und ordnet ein. Welches Zeckenmittel für Ihr Tier infrage kommt und ob eine Erkrankung vorliegt, klären Sie bitte mit Ihrer Tierarztpraxis.
Welche Zecken gibt es in Deutschland?
Die Zecken, die in Europa bei Hunden und Katzen gefunden werden, gehören alle zu den Schildzecken. Nach ESCCAP sind hierzulande vor allem drei Arten wichtig:
| Zecke | Wo sie vorkommt | Was sie übertragen kann |
|---|---|---|
| Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) | in ganz Deutschland, in Wald, Gebüsch und hohem Gras | Borreliose, Anaplasmose, regional FSME |
| Wiesen- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus), oft auch „Auwaldzecke“ genannt | vor allem Wiesen und offenes Gelände; hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet | Babesiose beim Hund |
| Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) | ursprünglich Südeuropa; überlebt hier nicht im Freien, kann sich aber in Wohnungen und Zwingern vermehren | Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Hepatozoonose |
Der Name „Auwaldzecke“ ist übrigens irreführend, wie die ESCCAP-Empfehlung zu Ektoparasiten anmerkt: Die Art lebt keineswegs nur in Auwäldern. Die Braune Hundezecke wiederum wird meist mit Hunden aus dem Süden eingeschleppt. Findet man sie im Haus, ist eine Behandlung von Tier und Wohnung nötig, bei der ESCCAP auch einen staatlich geprüften Schädlingsbekämpfer empfiehlt.
Wann sind Zecken aktiv?
Der Holzbock ist laut ESCCAP am häufigsten von März bis Juni und von September bis Oktober unterwegs. Die Wiesenzecke ist kälteunempfindlicher und bereits ab etwa 4 °C aktiv, also auch im Februar und bis in den November hinein. In milden Wintern muss man inzwischen mit Zecken rund ums Jahr rechnen. Die klassische „Zeckensaison“ von Frühling bis Herbst greift deshalb zu kurz.
Welche Krankheiten übertragen Zecken?
Zecken übertragen Erreger mit ihrem Speichel während des Saugens. Das geschieht meist nicht sofort, sondern nach vielen Stunden bis Tagen; bei manchen Erregern kann es laut ESCCAP aber auch schneller gehen. Eine Zecke kann mehrere Erreger gleichzeitig tragen. Die wichtigsten Erkrankungen in Deutschland:
Borreliose (Lyme-Borreliose)
Übertragen vom Holzbock. Viele infizierte Hunde erkranken nie. Wenn doch, stehen nach ESCCAP Gelenkentzündungen mit Lahmheit und ein gestörtes Allgemeinbefinden im Vordergrund. Die Beschwerden können auch erst deutlich nach dem Stich auftreten, wenn die Zecke längst vergessen ist.
Anaplasmose
Ebenfalls vom Holzbock übertragen. Typisch sind nach ESCCAP Fieber, Appetitlosigkeit und geschwollene Lymphknoten. Auch hier verläuft ein Teil der Infektionen unbemerkt.
Babesiose
Die Babesiose ist für Hunde die gefährlichste der heimischen Zeckenkrankheiten. Die Erreger, einzellige Parasiten, zerstören rote Blutkörperchen. ESCCAP nennt hohes Fieber über 40 °C, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute und rot bis braun gefärbten Urin als Anzeichen, meist ein bis drei Wochen nach dem Stich. Unbehandelt und bei schwerem Verlauf kann sie tödlich enden. Früher galt die Babesiose als Reisekrankheit, heute kommt sie mit der Wiesenzecke in weiten Teilen Deutschlands vor.
FSME beim Hund
Das FSME-Virus kann in Risikogebieten auch Hunde infizieren. Eine klinische Erkrankung ist bei Hunden aber selten: In einer Schweizer Auswertung von 54 erkrankten Hunden aus 18 Jahren (Kleeb und Kollegen, 2021) betonen die Autoren, dass Hunde trotz häufiger Antikörper nur selten krank werden. Wenn doch, verläuft die Erkrankung mit neurologischen Ausfällen und ist ernst zu nehmen: In der genannten Auswertung starb ein Drittel der erkrankten Hunde.
Und bei Katzen?
Katzen erkranken nach ESCCAP offenbar seltener an zeckenübertragenen Krankheiten als Hunde. Möglich sind unter anderem Anaplasmose und Borreliose. Auch bei Katzen gilt: Zecken schnell entfernen, denn das Risiko einer Übertragung steigt mit der Saugdauer.
Zecken richtig entfernen
Entdecken Sie eine Zecke, entfernen Sie sie sofort. Sie wissen meist nicht, wie lange sie schon saugt. So gehen Sie nach den Hinweisen von ESCCAP vor:
- Werkzeug nehmen: Zeckenzange, Zeckenpinzette oder Zeckenkarte. Mit den Fingern besteht die Gefahr, die Zecke zu quetschen und dabei Erreger in den Stichkanal zu drücken.
- Nah an der Haut greifen: die Zecke möglichst weit vorn am Kopf fassen, nicht am vollgesogenen Hinterleib.
- Langsam gerade herausziehen: gleichmäßig und ohne Ruck. Die Zecke ist in der Haut „eingekittet“, es kann eine halbe Minute dauern, bis sich die Kittschicht löst. Drehen empfiehlt ESCCAP nicht, dabei bleiben häufiger Mundwerkzeuge stecken.
- Kein Öl, kein Kleber, kein Alkohol vorher: Diese alten Tricks empfiehlt ESCCAP ausdrücklich nicht.
- Zecke sicher entsorgen: zum Beispiel in hochprozentigem Alkohol, damit sie keinen neuen Wirt findet.
- Stelle beobachten: Eine kleine Rötung ist normal. Notieren Sie sich das Datum, das hilft später, falls Ihr Tier krank wird.
Bleibt ein kleiner schwarzer Punkt in der Haut zurück, ist das meist ein Rest der Mundwerkzeuge. Bohren Sie nicht darin herum. Oft stößt die Haut den Rest von allein ab; entzündet sich die Stelle, schauen Sie in der Praxis vorbei.
Absuchen: täglich und gründlich
ESCCAP empfiehlt, Hunde nach jedem Spaziergang abzusuchen, und Freigängerkatzen täglich. Zecken sitzen bevorzugt an dünn behaarten Stellen mit dünner Haut:
- Kopf, Ohren und Ohrmuscheln, Augenlider und Lefzen
- Hals und Halsbandbereich
- Achseln und Leisten
- zwischen den Zehen
- rund um After und Genitalien
Streichen Sie gegen den Strich durch das Fell und tasten Sie nach kleinen Knötchen. Larven und Nymphen sind winzig und kaum zu sehen, vollgesogene Weibchen dagegen bis zu einem Zentimeter groß. Absuchen allein reicht laut ESCCAP als Schutz nicht aus, es ergänzt aber jedes Schutzmittel.
Zeckenschutz: die Wirkstoffgruppen im Überblick
ESCCAP empfiehlt für Hunde mit regelmäßigem Auslauf einen konsequenten Zeckenschutz, wegen der langen Aktivitätszeit der Zecken häufig ganzjährig. Für Freigängerkatzen gilt das ebenso. Wir nennen hier bewusst keine Produkte, sondern erklären die Prinzipien. Welches Mittel für Ihr Tier passt, hängt von Tierart, Gewicht, Alter, Gesundheit, Wohnort und Lebensweise ab – das gehört in die Beratung durch die Tierarztpraxis.
| Darreichung | Wie es wirkt | Worauf man achten sollte |
|---|---|---|
| Spot-on (Tropfen in den Nacken) | verteilt sich über die Haut; je nach Wirkstoff abtötend und teils abschreckend (repellierend) | Baden und Schwimmen können die Wirkung verringern; bei Katzen im Haushalt Wirkstoff genau prüfen |
| Halsband | gibt Wirkstoff über Wochen bis Monate ab; manche wirken repellierend | muss richtig sitzen; Hautreizungen möglich; Kinder und Katzen sollten nicht damit spielen |
| Tablette oder Kautablette | Wirkstoff gelangt ins Blut; die Zecke stirbt, nachdem sie zu saugen begonnen hat | wirkt nicht abschreckend; in der Regel über die Praxis erhältlich |
Ein Unterschied ist für das Verständnis wichtig: Repellierende Mittel sorgen dafür, dass Zecken gar nicht erst stechen oder schnell wieder abfallen. Andere Mittel töten die Zecke erst nach dem Stich, aber meist bevor Erreger übertragen werden. Nach der ESCCAP-Empfehlung bieten nur repellierende Mittel einen gewissen Schutz gegen Erreger, die sehr früh nach dem Stich übertragen werden, etwa das FSME-Virus.
Häufige Gründe, warum ein Zeckenschutz versagt, sind laut ESCCAP: falsche Anwendung, zu lange Abstände zwischen den Behandlungen, häufiges Baden oder Schwimmen und extrem viele Zecken in der Umgebung. Verwenden Sie nur Mittel, die für die jeweilige Tierart zugelassen sind.
Lebensgefahr für Katzen: Permethrin
Manche Zeckenmittel für Hunde enthalten Permethrin oder verwandte Pyrethroide in hoher Konzentration. Für Katzen sind sie giftig, weil ihnen ein Enzym zum Abbau fehlt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat 2022 vor Vergiftungen gewarnt und berichtet von über 200 gemeldeten Fällen zwischen 2011 und 2021. Anzeichen sind Krämpfe, Zittern, Lähmungen, starker Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall und Atemnot; im schlimmsten Fall stirbt die Katze.
Die Gefahr entsteht nicht nur, wenn eine Katze versehentlich das Hundemittel bekommt. Auch enger Kontakt zu einem frisch behandelten Hund kann reichen, etwa beim gemeinsamen Schlafen oder gegenseitigen Putzen. ESCCAP rät deshalb, solche Präparate in Haushalten mit Katzen zu vermeiden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt als Warnbegriffe auf der Packung Permethrin, Pyrethroide, Pyrethrin und Chrysanthemenextrakt. Mehr über Gefahren für Katzen im Alltag lesen Sie in unserem Beitrag Was ist giftig für Katzen?.
Impfung gegen Borreliose
Für Hunde gibt es eine Impfung gegen Borreliose. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) führt sie als Non-Core-Impfung, also nur für Hunde mit erhöhtem Risiko, etwa bei häufigem Aufenthalt in Wald und Gebüsch. Über ihren Nutzen herrscht laut ESCCAP in Fachkreisen keine Einigkeit, und sie ersetzt keinen Zeckenschutz. Einzelheiten stehen in unserem Artikel über das Impfen von Hunden.
Hausmittel: was wirklich dahintersteckt
Viele Halter suchen nach sanften Alternativen. Ehrlich gesagt: Keines der verbreiteten Hausmittel ist als zuverlässiger Zeckenschutz belegt, und manche schaden.
- Knoblauch: Er hält Zecken nicht zuverlässig fern und ist für Hunde und Katzen giftig. Knoblauch gehört wie Zwiebeln zu den Lauchgewächsen (Allium). Die Giftdatenbank CliniTox der Universität Zürich beschreibt Schäden an den roten Blutkörperchen bis hin zur Blutarmut, auch bei wiederholter Gabe über Tage. Füttern Sie Knoblauch deshalb nicht als „Zeckenschutz“. Mehr dazu im Beitrag Was ist giftig für Hunde?.
- Kokosöl: Es wird oft empfohlen, weil Laurinsäure Zecken abschrecken soll. Für eine verlässliche Schutzwirkung beim Tier fehlen belastbare Belege; ein zugelassenes Tierarzneimittel mit nachgewiesener Wirkung ist es nicht. Schaden richtet es in kleinen Mengen auf dem Fell meist nicht an, aber in Gebieten mit Babesiose ist es kein Ersatz für echten Schutz.
- Ätherische Öle, etwa Teebaumöl: Für Katzen können sie gefährlich sein, weil Katzen die enthaltenen Stoffe kaum abbauen. ESCCAP rät grundsätzlich, nur zugelassene, auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüfte Tierarzneimittel zu verwenden.
- Bernsteinketten und ähnliche Anhänger: Eine Wirkung gegen Zecken ist nicht belegt.
Wer seinem Tier möglichst wenig Chemie zumuten möchte, sollte das offen mit der Praxis besprechen. Oft lässt sich ein Schutz finden, der zur Lebensweise passt. ESCCAP unterscheidet selbst nach Risiko: Für Tiere, die kaum ins Freie kommen, reicht nach der Empfehlung regelmäßiges Absuchen, bei regelmäßigem Auslauf wird dagegen ein durchgehender Schutz über die gesamte Zeckensaison empfohlen. Über naturheilkundliche Ansätze und ihre Grenzen informiert unser Artikel zu biologischen Therapien bei Hunden.
Wann Sie zum Tierarzt sollten
Suchen Sie Ihre Tierarztpraxis am selben Tag auf, wenn Ihr Hund oder Ihre Katze in den Wochen nach einem Zeckenstich
- hohes Fieber hat, apathisch ist oder nicht mehr frisst,
- blasse Schleimhäute zeigt oder rötlichen bis braunen Urin absetzt (Verdacht auf Babesiose – ein Notfall),
- plötzlich lahmt, taumelt, krampft oder sich ungewohnt verhält.
Innerhalb der nächsten Tage sollten Sie die Praxis kontaktieren, wenn
- sich eine Zecke nicht vollständig entfernen ließ und die Stelle entzündet ist,
- die Einstichstelle stark gerötet, geschwollen oder eitrig wird,
- Sie im Haus wiederholt Zecken finden (Verdacht auf Braune Hundezecke),
- Sie eine Katze mit einem Hundemittel behandelt haben – dann bitte sofort, und die Packung mitnehmen.
Nennen Sie in der Praxis ruhig, wann und wo Sie die Zecke gefunden haben und ob Sie kürzlich verreist waren. Wer mit dem Hund in den Süden fährt, trifft dort auf weitere Zeckenkrankheiten; worauf es dann ankommt, steht im Artikel Mit Hund und Katze ins Ausland.
Kurz zusammengefasst
Zecken sind in Deutschland fast das ganze Jahr ein Thema. Wirksam ist die Kombination aus drei Dingen: täglich absuchen, Zecken sofort und richtig entfernen und einen zum Tier passenden, zugelassenen Schutz verwenden, den Sie mit Ihrer Tierarztpraxis auswählen. Bei Katzen gilt dabei eine eiserne Regel: niemals ein Mittel verwenden, das nur für Hunde zugelassen ist.
Quellen und weiterführende Informationen (11)
- ESCCAP Deutschland: Zecken beim Hund
- ESCCAP Deutschland: Was tun bei einem Zeckenstich beim Hund?
- ESCCAP Deutschland: Zecken bei der Katze
- ESCCAP Deutschland: Babesiose beim Hund
- ESCCAP Deutschland: Durch Zecken übertragbare Infektionen beim Hund (November 2023)
- ESCCAP-Empfehlung Nr. 3: Bekämpfung von Ektoparasiten bei Hunden und Katzen, deutsche Adaption, Februar 2022
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Vorsicht bei der Behandlung gegen Zecken und Flöhe (Pressemitteilung, 04.08.2022)
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Spot-on-Produkte – Parasitenmittel für Hunde nicht bei Katzen anwenden (Mitteilung 035/2022)
- CliniTox, Universität Zürich: Allium sp. (Zwiebel, Knoblauch)
- Kleeb C. et al.: Canine Tick-Borne Encephalitis – Clinical Features, Survival Rate and Neurological Sequelae. Frontiers in Veterinary Science, 2021
- StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinien und Empfehlungen


